Von dt. Standart zum Einzelstück

Wir haben sie hundertfach in der Hand gehalten – sie ist uns allen ein optischer Begriff – sie ist deutscher Standart und ein Symbol für den Mehrwegkreislauf:

Normbrunnenflasche der Mineralwasserbrunnen; Pressglas
Die Normbrunnenflasche der Mineralwasserbrunnen; Pressglas.

„Die Normbrunnenflasche für Mineralwasser oder Brunneneinheitsflasche (umgangssprachlich Perlenflasche) ist DIE 0,7-Liter-Mehrwegflasche aus Klarglas mit Schraubverschluss für kohlensäurehaltiges Mineralwasser, Limonaden und ähnliche Getränke, deren Einführung am 8. August 1969 beschlossen wurde.
1969/1970 kam die Flasche in Deutschland auf den Markt.

In puncto Wirtschaftlichkeit brachte die Perlenflasche den Mineralbrunnen enorme Vorteile, da die Umlaufhäufigkeit der Flaschen erhöht werden konnte: Bei gleichem Flaschenbestand war es einem Mineralbrunnen so möglich, eine höhere Anzahl an Füllungen durchzuführen. Dies gelang, weil die Perlenflasche von Anfang an als bundesweiter Mehrwegpool geführt wird. Unabhängig davon, wo eine Flasche abgefüllt wurde, kann sie bei praktisch jedem Händler zurückgegeben werden und braucht nur zum nächstgelegenen Abfüller zurücktransportiert zu werden.

Die Normbrunnenflasche wurde 1968 vom Industriedesigner Günter Kupetz entworfen. Charakteristisch für die Form ist die Einschnürung in der Mitte, die einen sicheren Griff ermöglicht, ergänzt um darüber liegende 230 Noppen, die zusätzlich die Griffsicherheit erhöhen und das Sprudeln des Inhalts beim Öffnen symbolisieren sollen.“ (Textcopyright: Wikipedia)

Die Flasche schrieb Designgeschichte….

Dieses Symbol des Mehrwegs ist natürlich auch den jungen Designern aufgefallen: Was könnte aus den nach ca. 50 Befüllungen ausgemusterten Flaschen denn noch werden?Laura Jungmann, Cornelius Reer (Samesame), Flaschenupcycling; (Foto und Copyright: Samesame)Laura Jungmann, Cornelius Reer (Samesame), Flaschenupcycling;
(Foto und Copyright: Samesame)

Als Teil der Diplomarbeit von Laura Jungmann entstand 2013 in Kooperation mit dem bekannten Nürnberger Glasbläser Cornelius Reer (Craftkontorfans kennen seine Arbeiten) eine Prototypenserie aus umgeformten Glasflaschen: u.a. entsteht aus der Perlenflasche eine Wasserkaraffe:Laura Jungmann, Corlelius Reer, Karaffe No2; Foto und Copyright: Samesame)Laura Jungmann, Corlelius Reer, Karaffe No2;
(Foto und Copyright: Samesame)

Der Hals wird geweitet und der Ausguss macht die Flasche zu einem funktionalen Alltagsprodukt.
Die in der Kollektion NO.02 genannte Form versteht sich als Hommage an den altbekannten Designklassiker, während ihre unkonventionelle Silhouette Gewohntes hinterfragt und den klassischen Entwurf neu aufleben läßt.

So einfach die Umgestaltung aussieht, brauchte es doch eine ganze komplexe Versuchsreihe, denn das Glas der Perlenflasche ist Pressglas, dass sich nicht ohne Weiteres verblasen läßt… allein die Fertigkeit des Glasbläsers Cornelius Reer ermöglichte der Designerin die Umsetzung ihres charmanten Gedankens…Laura Jungmann, Cornelius Reer, Karaffe No2.; Upcycling einer Normbrunnenflasche, Pressglas , geblasen; (Foto und Copyright: Samesame)Laura Jungmann, Cornelius Reer, Karaffe No2.;
Upcycling einer Normbrunnenflasche, Pressglas, geblasen;
(Foto und Copyright: Samesame)

Nach einer frühen Nominierung schon 2014 für den German Design Award, wurde die Karaffe 2016 mit dem Red Dot Design Award in der Kategorie Produktdesign ausgezeichnet.

Die Karaffe No2 gibt es nun im CRAFTkontor.
Herzlich willkommen

 

Sommerzeit – Gartenzeit !

Auch wenn momentan das Thermometer nicht über 17 Grad steigen will und uns auch Regenschauer nicht das Freie genießen lassen…
bereiten wir doch Terasse und Garten für genussvolle Aufenthalte vor…

Der Glasbläser Frank Meuer überrascht in diesem Jahr mit neuen Glasspitzen, die im Staudenbeet oder auch vor Hecken wunderbar im Garten leuchten.FrankMeurerblätter-rankstab-2
Frank Meurer, Rankstäbe „Blatt“, Glas, geblasen (Foto + Copyright Meurer)

Hier stehen die Stäbe im Wendtland – leuchtende Blätter mit gestrudeltem farbigem Herz…

Die Glasspitzen werden auf Edelstahlstangen oder rostige Eisenstangen
(je nach Gartenlook – modern edel oder naturnah)
gesteckt und sitzen dann direkt im Beet oder in den Pflanztöpfen…
Sie ziehen wunderbar jedes Licht auf sich, reflektieren die Sonne und bilden schöne Farbtupfer…

Auch im Winter:
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Frank Meurer, Rankstäbe „Spitzen“, Glas, geblasen; (Foto: Schulze-Merian)

Keine Angst vorm Frost, auch diesen halten sie jahrelang aus und bringen Farbe auch in den winterlichen Garten …

Doch träumen wir heute weiter vom richtigen Sommer! und die Glasspitzen finden Sie im CRAFTkontor.
Herzlich willkommen !

Grüße und Wünsche…

Ein frohes Weihnachtsfest

und
optimistische Aussichten für das neue Jahr
wünschen wir Ihnen!
Heinz DüsterhausEngel
Und Heinz Düsterhaus Glasengel singen freudig dazu…

Die Galerie hat bis zu Dreikönig geschlossen…
ab dann sind wir wieder voll Elan und
mit Lust auf gut gestaltete Dinge
und mit neuen Ausstellungen
für Sie da
!

Winter – Wunderkammer – Zeit ….

Alle Jahre wieder bereiten wir mit vielen Besuchen in Ateliers und auf Ausstellungen von Kunsthandwerk die schöne Zeit des Freudemachens vor.

Manufaktur Kunsthandwerk ist eine nachhaltige Art des Schenkens –
gut ausgebildete Handwerker, künstlerisch arbeitende Gestalter mit innovativen Ideen werden aktiv unterstützt…und ihre Werkstätten auch als Ausbildungsstätten erhalten.
Individuelle Qualität geht vor Quantität….
Regionale Wertschöpfung steht vor internationaler Ausbeutung….

Objekte mit Ideen, Leidenschaft und Können – 100% handmade in Germany.
Immer wieder ein großes Qualitätsmerkmal!

Hier ein paar Inspirationen:

Heinz DüsterhausEngel
Foto und Copyright: Heinz Düsterhaus;

Glaskünstler Heinz Düsterhaus gestaltet nicht nur große Stelen als Skulptur für das Interieur, sondern auch schöne moderne Engel für die Vorweihnachtszeit. Die Glasengel sind aus verschmolzenem Floatglas, bemalt und mit Gold und Silber veredelt, sowie anschließend auf dem Outfit geritzt, damit es auch Knöpfe und Taschen, sowie Knopfstiefelchen zu entdecken gibt…

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Foto und Copyright: Harald Kruse;

Ganz gradlinig und schwergewichtig kommt diese Platte für 14 unterschiedliche Teellichter daher.
Harald Kruse gestaltet sie aus eingefärbtem Beton und vergoldet die „Reflexzonen“….

PetraStöckerButtons
Foto und Copyright: Petra Stöcker;

Adventskalender können auch modern und humorvoll sein.
Petra Stöcker, von Haus aus Goldschmiedin, gestaltet mit kleinen Graphiken, Blattgold und -Silber 9cm große
Buttons…. 24 nummerierte unterschiedliche Motive zum täglichen Tragen, weiterverschenken oder für viele weitere Ideen mehr.

Das CRAFTkontor zeigt in seiner Wunderkammer vieles Schöne mehr:
Gewebtes – Getöpfertes – Ledernes – Schmückendes – Gläsernes – Gemaltes – Geschnitztes – Geschmiedetes – Gedrechseltes – Vergoldetes….
Inspirationen zum Verschenken und Selbst behalten !

Freia Schulze Glaskunst

Fabulierfreudig und kunstvoll ist die Glasgestaltung der Lübeckerin Freia Schulze.

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Freia Schulze, beispielhafte Glasgefäße (Fotocopyright: Bernd Perlbach)

Ihr Weg dahin war in Zeiten großen Glassammlertums, der Studioglasbewegung und der nachvollgenden Stagnation im Bezug auf künsterlisches Handwerk in Deutschland bewegt.

2007, anläßlich der Verleihung des renommierten JUSTUS BRINCKMANN PREISES der gleichnamigen Gesellschaft des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, schrieb dessen damaliger Leiter, der Doyen des dt. Kunsthandwerks, Rüdiger Joppien:

„Mit Freia Schulze erhält nach langer Zeit wieder eine Glaskünstlerin den Justus Brinckmann Preis.
Wir freuen uns sehr, denn künstlerisches Glas ist heute in Deutschland schon fast selten geworden…

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Freia Schulze, Glasgefäß mit Golddetails (Fotocopyright: Craft2eu u. Bernd Perlbach)

Freia Schulze verfügt über eine gründliche Ausbildung, die sie auf verschiedenen Schulen und in mehreren Ländern erworben hat.
1967 begann sie als junge Frau an der Werkkunstschule Schwäbisch-Gmünd ein Studium im Glasschliff….
Vorbild waren der legendäre Stuttgarter Glasschleifer Wilhlem von Eiff und Hanns Model – zwei künstlerische Glasschleifer, die mit Arbeiten in Schwerschliff brillierten und dabei den Oberflächen der Gläser ein plastisches, auch haptisch spürbares Aussehen gaben…
Plastische Glasschliffarbeiten gaben bereits in den 1960er Jahren eine Ahnung vom Glasobjekt als autonomem Kunstwerk.

Als dann am Ende desselben Jahrzehnts die internationale Studioglasszene aufbrach und sich wieder dem frei geblasenen Glas zuwandte, verlor der Glasschliff merklich an Bedeutung. Nur wenige blieben ihm treu.

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Freia Schulze, plastisch geschliffenes Gefäß; (fotocopyright: Bernd Perlbach)

Freia Schulzes Ausbildung und Entwicklung fällt in diesen Übergang: sie versuchte, neben derm erlernten Beruf auch noch andere Facetten der Glasgestaltung kennen zu lernen.

Nach ihrem Diplom in Schwäbisch-Gmünd 1971, wo sie auch Emailleren und plastisches Gestalten studiert hatte, ging sie für ein Jahr an die Hochschule für Angewandte Kunst nach Wien.
Danach, von 1972 bis 75, besuchte sie das College of Art in Stourbridge, England.
Später beschrieb sie diese Zeit:
„War meine Ausbildung in Schwäbisch-Gmünd eher auf das Ausbilden perfekter handwerklicher Fähigkeiten gerichtet, so waren die Studien in England wichtig, mit weiteren Gestaltungsmöglichkeiten zu experimentieren.
Die offene Ausbildung an diesem College mti seiner hervorragenden technischen Aussteattung ließ (mich) Erfahrungen sammeln mit der Flachglasgestaltung, dem Glasguss und dem Verschmelz- und Einschmelzverfahren.“
Freia Schulze kehrte 1975 nach Deutschland zurück und machte ein achtmonatiges Praktikum in der Glashütte der Gebr. Eisch in Frauenau, wo Erwin Eich, einer der Begründer der internationalen Studioglasbewegung, ein eigenes Studio mit Ofen unterhielt.
Wurde der ofen nicht gebraucht, konnte Freia Schulze daran arbeiten…

Nach einem dreimonatigen Studienaufenthalt in den USA arbeitete Freia Schulze acht Monate als Entwerferin für Kleinserien in der von Roberto Niederer geleiteten Glashütte Hergiswil am Vierwaldstätter See.
Ein Jahr später, 1978, machte sie sich schließlich in Diessen am Ammersee mit einer Werkstatt selbstständig, wo sie beiden Fähigkeiten, dem Entwerfen und der handwerklichen Ausführung nachgehen konnte…

Familiäre Gründe veranlaßten sie jedoch, nach zehn guten und ereignisreichen Jahren, 1988 wieder nach Lübeck zurückzukehren und dort noch einmal eine Werkstatt aufzubauen.

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Freia Schulze, Gefäße, Überfangglas, emailliert, gesandstrahlt – Golddetails; (Fotocopyright: Bernd Perlbach)

Bei ihren Arbeiten hat Freia Schulze stets auf kluge Beschränkung der Mittel gesetzt.
Da sie kleine Glasbläserei betreibt, keine Manufaktur führt, arbeitet sie autark, ohne Mitarbeiten.
Die Gläser, die sie verarbeitet, werden von ihr entworfen; nach ihren Zeichnungen werden sie in einer Hütte in Zwiesel, gelegentlich auch in Skandinavien hergestellt.
Damit kann sie sich vollständig auf deren Veredelung konzentrieren….

Seitdem kombiniert sie gern Schliff und Gravur auf ihren Gläsern. Entscheidend neu war aber das Element der Farbe: mit partielle emailiierten und matt gesandstrahlten Seitenflächen tritt eine Technik auf, die seitdem im Werk von freia Schulze szilbildend und dominant geworden ist.

Freia Schulzes farbliche Veredelung von Gläsern sieht einen umfassenden Emailauftrag vor, der bei 540 Grad auf der Gefäßwandung aufgebrannnt wird. Durch mehrfaches Brennen entsteht eine hohe Intensität der Farben.
Danach werden auf der emaillierten Fläche viele kleine figürliche und geometrische Motive oder ganze Ornamentbänder in Form von Folien aufgelegt, wbei man sich diese Motive durchaus wie kleine Scherenschnitte vorstellen kann.
Anschließend wird das Werkstück in einem geschlossenen Kasten einer Sandstrahlung unterworfen, die die großflächige Emailschicht wegstrahlt und an deren Stelle eine mattierte Oberfläche zurückläßt…
Nach Entfernung der Folie ergibt das ein milimeterfeines Farbrelief, eben das Muster, das jetzt das Glas als Ganzes schmückt.

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Freia Schulze, Paperweight „Früchte“ (Foto: CRAFTkontor)

Soweit ich sehe, hat Freia Schulze dieses Verfahren erfunden und übt es als einzige aus.
Der Effekt ist überraschend gestalt-und farbenfreudig.
Die Muster sind bunt. frisch und voller Einfälle. Sie enthalten so unterschiedliche Motive wie Palmen und Sterne, Früchte und Blumen, Schlnagen und Treppen, Stacheltiere und Fische, ein unerschöpflicher Vorrat an kleinen Illustrationsmotiven, die die Künstlerin mit leichter Hand ausschüttet und verstreut…

Die Bildmotive schweben oder wirblen durch den Raum oder verdichten sich hier und da zu Ornamentfeldern….

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Freia Schulze, Vase (Fotocopyright: Bernd Perlbach)

Freia Schulzes Glasarbeiten sind Ziergegenstände oder Nutzobjekte der Poesie auf kleinstem Raum, verspielte Zeugnisse einer Welt, die man nur erträumen kann…

Ob Flakon oder farbig geschmückte Trinkbecher, Karaffen oder Vasen, alle Arbeiten Freia Schulzes sind Sammlerstücke, die sich heute hoher Akzeptanz erfreuen….
es ist ein „kleines aber feines“ Werk entstanden, das in der Glaskunst der Gegenwart absolut unverwechselbar ist.“
(Copyright Rüdiger Joppien im Katalog zum Justus Brinckmann Preis 2007, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg)

Viele Arbeiten Freia Schulze können Sie im Moment im CRAFTkontor, Bonn Bad Godesbergs erleben.
Glasgestaltung at its best !

SOMMERTIP Dresden


Dresden ist natürlich immer eine Reise wert – wer noch nicht das Grüne Gewölbe gesehen hat, kann nach Wiedereröffnung die Schätze dort bewundern – die Landschaft der Elbe lockt (das Hochwasser hat sich verzogen),  aber diesen Sommer hält zeitgenössische Glaskunst von Frank Meuer – den Liebhabern des CRAFTkontor gut bekannt – in Schloss Pillnitz Hof.
Die Ausstellung startet am 14. Juli im Kunstgewerbemuseum Schloss Pilnitz und dauert bis zum 3. November.

Jeweils von Mai bis Oktober gewährt das Kunstgewerbemuseum in spektakulärer architektonischer Kulisse außergewöhnliche Einblicke in das kurfürstliche Leben.
Schloss Pillnitz, Lustschloss und Sommerresidenz des sächsischen Hofes, liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum Dresdens entfernt idyllisch zwischen Elbe und Weinbergen. Nutzen Sie die Schiffsverbindung um dorthin zu gelangen, die langsame Annäherung über die Elbe ist immer schön!
Viele prächtige, mit den Kurfürsten und Königen Sachsens verbundene Gegenstände und Räume sind hier erhalten.

Im Bergpalais befindet sich dann die Ausstellung:                                              
„FRANK MEURER – GLAS“

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Frank Meurer, Graalschale, Glas, mundgeblasen, (Foto: Meurer)

„Bei den STUDIOGLASARBEITEN von Frank Meuer muss man zweimal hin(ein)schauen.
Glaubt man im ersten Moment, das Muster in einer der Schichten verortet zu haben, so wird man im nächsten Moment unsicher:
Die Dekore, ob graphisch oder geometrisch, schweben gleichsam zwischen den Wandungen, scheinen sich zu vervielfältigen, zu überlagern und sogar zu bwegen.
Schräge Anschliffe und sandgestrahlte Außenschichten lenken den Blick in das verwirrende Innere der Gefäße und erzeugen einen Gegensatz zwischen ruhigem Außen und bewegtem Innen.

Frank Meurers Objekte sind handgefertigt und am eigenen Studioofen frei mundgeblasen. Alle Arbeitsschritte vom Entwurf bis hin zum Schleifen und Polieren liegen in seiner Hand.
Für seine Überfangschalen wendet er die in Schweden entwickelte Graaltechnik und die venezianische Reticellotechnik an.

Charakteristisch für die Glasarbeiten Frank Meurers sind neben der massiven Schalenform und der intensiven Farbigkeit die
irritierenden, scheinbar mehrfach im Glas eingeschlossenen Muster und Zeichnungen.

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Frank Meurer, Graalschale, Glas, mundgeblasen (Foto: Meurer)

Sie überzeugen durch Schlichtheit in der Form, Lebendigkeit im Dekor und handwerklich hochwertige Ausführung.

Das Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz zeigt in einer Kabinettausstellung erstmals 40 ausgewählte Glasobjekte des jungen Künstlers aus seiner aktuellen Schaffensperiode.“ (Textcopyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden)

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Frank Meurer, Graalschale, Glas, mundgeblasen (Foto: Meurer)

Infos:

Schloss Pillnitz
Bergplais
August-Böckstiegel-Str. 2
Di – So  10 bis 18 Uhr

www.skd.museum

 

 

 

 

 

Hoch das Glas!

Nach dem Hinweis auf die wunderbare Ausstellung zeitgenössischen Glases in Frankfurt im Eintrag vom 28.08. ,heute mein freudiger
Aufruf an alle Glasfans, das neue Glasmuseum  >Les Stanze del Vetro

Die Süddeutsche vom 09.10.2012 berichtete ausführlich von der Eröffnungsausstellung:

„Auf der Insel San Giorgio Maggiore hat ein Glasmuseum eröffnet. Es zeigt Arbeiten von Carlo Scarpa, der große Handwerkskunst geschaffen hat – macht aber auch sichtbar, wie Venedig durch den Massentourismus zu Bruch geht.

Die Palette scheint unendlich : Manches sieht aus wie Plastik, anderes wie Beton. Das Material kann aber auch den Anschein erwecken, als wäre es aus Lack, Seifenblasen oder Plastik. Dann wieder wirkt es wie mit einer groben Netzstrumpfhose überzogen.

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Carlo Scarpa, Glasarbeiten (Foto: Ettore Bellini, Le Stanze del Vetro)

In allen Fällen , die jetzt in Le Stanze del Vetro zu sehen sind, handelt es sich um Glas. Nur eben nicht um solches, wie man es aus dem Alltag kennt. (…) es ist spektakulär, mondän ,kostbar.

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Ausstellungsansicht im Le Stanze del Vetro, Venedig
(Foto: Ettore Bellini, Les Stanze del Vetro)

Carlo Scarpa (1906-1978), der vor allem als Architekt mit seinem Dialog zwischen Alt und Neu bekannt geworden ist, hat dafür gesorgt. Wie er als Venezianer alles aus dem Material herausholte, was möglich war, und so mit den Glasbläsern von Murano Kunstwerke geschaffen hat, ist aber nicht nur ergreifend schön anzusehen. Es reflektiert auch die jüngere Geschichte Venedigs, wie sich die stolze Serenissima aufmachte, Traumziel aller Billigtouristen zu werden, und dabei die eigene Vergangenheit immer mehr zu Bruch geht. (…)“ (Laura Weissmüller, Süddt. Zeitung Nr. 233, 9. Okt. 2012)

Die Carlo Scarpa gewidmete Eröffnungsausstellung zeigt größtes Können und Vielfalt an Glasausprägungen, entworfen und geplant von Scarpa, in Versuchreihen entwickelt und mit großer Handwerkskunst ausgeführt von den großen Manufakturen, von denen heute nur noch ein kleiner Bruchteil existiert.
Scarpa kam als Architekt durch Zufall auf Glas, ein Auftrag führte ihn nach Murano, erblieb, baute zwar nicht, aber widmete sich bis in die 40erJahre ausschließlich dem wunderbaren Material und lotete alle Möglichkeiten aus.

Nicht weniger als 30 Glassorten entwickelte er mit Capellin und Venini – viele blieb exklusives, nur einmal geglücktes Einzelstück, einiges ging in Serie und die besten Stücke zeigt die Ausstellung:  ein Spiegel der großen Könnerschaft Muranos in Glas.
Bis heute?

„Was hat das alles mit dem Venedig von heute zu tun? Sehr viel. Denn die Handwerksbetriebe, die auf Murano Glas herstellen, sind nicht nur einige der letzten Produktionstätten überhaupt in Venedig. Das, was hier seit Jahrhunderten angefertigt wird, hat zum weltweiten Ruhm der Lagunenstadt beigetragen. Murano-Glas ist international bekannt, wenn auch die Dichte an Shops, die es verkaufen, nirgendwo so hoch sein dürfte, wie in Venedig. Das Problem dabei:

Was die unzähligen Läden hier farbenfroh und formenreich an den Kunden bringen, stammt in den seltensten Fällen von der Nachbarinsel. Wer all die Tierchen, knallfarbenen Aschenbecher und glitzernden Armreifen genauer anguckt, kann sich das denken. (…) Solche Billigware ist nur in China herzustellen. Das meiste „Murano-Glas“, das in Venedig vertrieben wird, ist in Warheit ein Importartikel.
Die (meisten) Besucher stört das wenig. (…)
…auch in Murano zeigt der Billigtourismus seine Wirkung.
Weil die Touristen sich an die Preise der Importware gewöhnt haben, sind immer weniger bereit, die Qualität von echtem Murano-Glas zu bezahlen. Eine Werkstatt nach der anderen schließt dort. Ihre eingeschlagenen Fenster und verlotterten Lagerhallen bilden optisch einen scharfen Kontrast zu der bunten Ramschware in der Lagunenstadt – und gehören doch zusammen….“ (Laura Weissmüller)

Hier möchte das neue Glasmuseum gegenarbeiten – nicht nur mit der Ausstellungstätigkeit über herausragendes Murano-Glas und seine Gestalter, auch der bauliche Ansatz des Museums auf San Giorgio Maggiore trägt hier Rechnung:
Es ist der Umbau eines Jahrzehnte leer stehenden Schulkomplexes aus den 50er Jahren durch die New Yorker Architektin Annabelle Selldorf zu einem minimalistischen Gebäude mit Bibliothek, erweiterbar um ein Archiv und vielleicht der Beginn eines neuen Museumsquartiers.

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Das neue Glasmuseum le Stanze del Vetro auf San Giorgio Maggiore, Venedig
(Foto: Les Stanze del Vetro)

Neben der Biennale wäre diese Art Quartier geeignet, wieder eine andere Art von Tourismus für die Stadt zu generieren: nachhaltiger, die eigenen Wurzeln der Stadt betonend und qualitätvoll.

Carla Scarpa. Venini 1932-1947;
Le Stanze del Vetro,
bis 29. November;
Insel San Giogio Maggiore, Venedig.
www.lestanzedelvetro.it

 

 

Glaslust in Frankfurt

Wer in diesen Jahren über die Frankfurter Messe Tendence geht, findet kaum mehr Unikat-Kunsthandwerk oder angewandte Kunst, die diesen Namen verdient – die Messe hat jahrelang durch anders gesetzte Schwerpunkte die Kunsthandwerker aussortiert und den Massengeschmack forciert.
Ab und zu gelingt es in Newcomer-Ecken oder Sonderschauen, aufsehen Erregendes zu zeigen und dann erfreut es um so mehr.

In diesem Jahr ergibt eine Zusammenarbeit mit dem Museum für angewandte Kunst Frankfurt den Hingucker: Studioglas von Atem beraubender Finesse des Glaskünstler-Duos Monica Guggisberg und Philip Baldwin ist zu Gast.
Ein wunderbarer Hinweis auf die am 27. September im Museum für Angewandte Kunst am Schaumainkai in Frankfurt beginnende Ausstellung „Beyond Glass“ (www.angewandtekunst-frankfurt.de)
und von mir ein Ausflugs-MUST in diesem Herbst!

„Mit der Sonderausstellung   zeigt das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt ab dem 27. September 2012 erstmals in Deutschland Glas von Monica Guggisberg und Philip Baldwin in einer großen Soloausstellung.

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Über 80 Werke des international agierenden Künstlerduos repräsentieren eine ganz eigene Facette der Studioglasbewegung in der Gegenwart. Ein besonderes Extra bildet ein neues Werk, das Baldwin und Guggisberg eigens für Frankfurt inszenieren werden.

Wie durch den poetischen Titel angedeutet, nimmt die Ausstellung den Besucher mit auf die Reise durch eine Welt aus Farbe und Form, die im kreativen Umgang mit Glas und Raum von Baldwin und Guggisberg immer wieder neu erschaffen wird. Zugleich ist das Reisen – real oder inwendig – ein zentrales Motiv in den Arbeiten der Künstler.

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Seit über dreißig Jahren verbindet Monica Guggisberg (Bern, 1955) und Philip Baldwin (New York, 1947) die Leidenschaft für Glas. 1979 begegneten sich die beiden Künstler in der schwedischen Glasmanufaktur Orrefors. Bereits 1982 eröffneten sie gemeinsam ihr erstes unabhängiges Glasstudio in der Schweiz und seit 2001 betreiben die beiden Künstlerpersönlichkeiten ihr Studio in Paris mit regelmäßigen Arbeitsaufenthalten in Venedig. In ihren künstlerischen Anliegen schöpfen sie aus ihrem umfassenden Wissen und technischen Können und verbinden ihre individuellen Temperamente mit skandinavischen Erfahrungen und venezianischer Glastradition.

Die frei geblasenen Formen entwickeln Baldwin und Guggisberg in einem Spektrum zwischen Kugeln, Flaschen, Amphoren, Gefäßkörpern bis zu assoziativen Formen, die in speziellen Inszenierungen ihre Wirkung entfalten.

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Die bei Baldwin und Guggisberg sind gezielt eingesetzte Raster, mit einer jeweils ganz eigenen Diktion aus Linien und Flächen, die Farbschichtungen offen legen und in freien Rhythmen die Erscheinung des Glaskörpers durch eine Haut aus grafisch-räumlichen Strukturen interpretieren.

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Dabei steigern sich die von Baldwin und Guggisberg neu entwickelte mehrfache Überfangtechnik in chromatischen Farbabstufungen und die raffinierten Schnittmotive zu einer grandiosen Komposition zwischen Skulptur und Malerei. Dieses Zusammenspiel ermöglicht dem Glas, als ganz besonderem Medium zwischen Materialität und Licht, die Facetten seines Wesens auszuspielen..“ (Pressetext Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt) (Fotos Chtristoph Lehmann)

27.09. – 01.12.2012
Museum für Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt

Klarheit und doch Irritation

3 Wochen wird die Ausstellung mit Schwerpunkt GLAS im CRAFTkontor noch andauern, dann gibt es einen nächsten Höhepunkt.
Am  29.  Juni eröffnet dann, wie im vergangenen Sommer, eine Einzelausstellung SCHMUCK – seien Sie schon jetzt gespannt!
Spektakuläres für große und kleine Sommerevents, Hochzeiten, für die Ballsaison und den Konzertauftritt breitet dann seine Pracht  im CRAFTkontor aus. Später mehr…

Doch vorher möchte ich Sie noch einmal für GLAS begeistern…
Der junge deutsche Glasmacher Frank Meurer begeistert mich immer wieder neu. Er arbeitet in kleinen Serien und schafft gleichzeitig wunderbare Unikate in Überfangtechnik.
Die konzerntrierte Form des massiven Runds in Kombination mit Schliff und Farbglasüberfang ergeben bei seiner Serie der Halbschalen irritierend schöne Effekte.FrankMeurerhalbschalen transparent

Frank Meurer, Halbschale, transparent, Glas;

Zwei Phasen des Glasblasens, eine dünne zarte farbige Schicht und eine dicke klare Schicht werden ineinander geblasen.
Die Betonung des Schwebens steigert Meurer durch das anschließende Sandstrahlen der Oberfläche. Ein leicht schräger Boden verleitet zum Einblicken und Fühlen.FrankMeurer05-Schalengruppe-Mehrschich

Frank Meurer, Mehrschichtschale, Glas;

Die Mehrschichtschalen – kiloweise Glas – sind kaum ohne Assistenz für einen Glasbläser zu schaffen. Hier potenziert Frank Meurer die optische Irritation durch mehr als 2 Farb- und Klarglasschichten. Wunderbare Abfolgen, wobei der Effekt des Schwebens durch das Anschmelzen losen Glaspuders an der Außenseite gegen eine Konzentration auf das Innen getauscht wird.

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Frank Meurer, Überfangschale „Igel“, Glas;

Die Weiterentwicklung seiner Überfangschalen mündeten für Frank Meurer im letzten Jahr in der „Igelschale“. Hier wird die Konzentration auf das Rund aufgebrochen und der Abkühlungsprozess der klaren Außenschicht findet in einer plastisch vorgeformten Hülle statt, die die Igelstacheln oder Eispickel der Schale bilden.

Die künstlerischen Einzelstücke des jungen Glasbläsers, der im vergangenen Jahr seine Werkstatt aus Munster, wo er Mit-Organisator einer großen internationalen Glasaustellung war, ins Wendtland verlegt hat, leben ebenfalls von der Mehrschichtigkeit. Die Unikatobjekte, Graalschalen, haben jedoch nicht einfach Farbe als Innenschichten, nein, Frank Meurer nutzt die Kugelflächen als quasi spielerisch, malerische Leinwand.
Hier bringt er graphische Bleistiftzeichungen auf, experimentiert mit abstrakten Farbmalereien, schleift geometrische oder
zufällige Muster und steigert so die Anfangsidee zum Kunstwerk.
Drei Beispiele:

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Frank Meurer, Graalschale, Farbflächen und Schliffe, gleichmäßig, Glas;

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Frank Meurer, Graalschale, Bleistiftzeichnung, Glas;

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Frank Meurer, Graalschale, Farb- und Schliffflächen, Glas;

Aus allen drei Werkgruppen Frank Meurers können Sie schöne Exemplare im CRAFTkontor sehen.

 

GLASGLÜCK…….

Über den Vorbereitungen zur EUNIQUE (siehe nächsten Beitrag), komme ich kaum dazu, Ihnen von der Freude zu berichten, die mir und den Besuchern der Galerie die neue Ausstellung macht.

Das Thema „GLÜCK UND GLAS“ bringt soviel Farbe und Leuchtkraft in den Raum, dass man das wenig frühlingshafte Wetter hier fast vergessen kann.
Nützliches, Dekoratives und Sammlungswürdiges ist vertreten – Glasmacher aus Dänemark, Frankreich und Deutschlan geben sich ein Stelldichein. Und wieviel mehr hätte ich noch zeigen können…

Zwei Beispiele des Nützlichen:

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Karen Nyholms wunderbar farbstarke Glaskaraffen mit Tropfenstopfen.

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Und die Glasschalen von Monika Klein, bei deren unendlicher Farbauswahl Jeder seine Lieblingsfarbe finden wird.
Als Ergänzung zu den Schalen gibt es auch Deckel.

Schön dekorativ sind die gläsernen Objekte zum Thema Meer, die Annette Meech vom Glasshouse de Sivignon gestaltet hat.

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Die verschiedensten Muscheln, Schnecken und Fische eigenen sich als Dekoration für Tisch und Tafel (denken Sie nur an ein Fischessen) oder dort,  wo viel Licht hinfällt, z.B. die Fensterbank…

Jede Sammlung von modernem Glas schätzt sich glücklich, eine der raren Graalschalen von Frank Meurer zu besitzen.
Er meistert die technische Herausforderung eines Kilo schweren Glasballes und schafft daraus anmutig leichte Objekte mit innen liegendem graphischen Reiz. Traumhaft….

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Frank Meurer, Glasschale – Graalschale, mehrschichtig, geblasen;

Monika Klein und Frank Meurer können Sie auf der EUNIQUE in Karlsruhe wiedersehen und mit ihnen fachsimpeln.
Neben der Faszination, viele verschiedene Kunsthandwerker des höchsten Niveuas kennenzulernen, ist auch das direkte Gespräch eine große Chance….

Ich wette, Sie haben Lust, dorthin einen Ausflug zu machen 
– HERZLICH WILLKOMMEN  –
und auf dem Rückweg probieren Sie noch etwas Wein und Winzersekt an der Weinstraße…