Lebefrauen und Lebemänner…

„Es sind kleine Szenen mit freundlichen, amüsanten Lebefrauen und Lebemännern im Alter der angenehmen zweiten Lebenshälfte, abgebildet in Momenten alltäglicher Muße“Johanna Beil, Skulptur "im Gespräch", Terrakotta; (Copyright: J. Beil; Foto: Axel Fidelak)Johanna Beil, Skulptur „Im Gespräch“, Terrakotta; (Copyright: J. Beil; Foto: Axel Fidelak)

Dieser einführende Satz von Olga Moldaver, Kunsthistorikerin M.A. am Keramion, der Stiftung für historische und moderne Keramik in Frechen, charakterisiert die „Gäste“ der momentanen Ausstellung „Blickwechsel I“ im CRAFTkontor aufs Feinste…

„Auf der Basis von Alltagsimpressionen lässt Johanna Beil  Situationen entstehen, in denen sich dank der präzise beobachteten Mimik und beredten Gestik sowie der meisterlich realisierten Körperhaltung und Kleidung beim Betrachter sofort eine fast filmische Szene im Kopf abspielt: Liest der Mann mit der Tolle, Ohr an Ohr an seinen Hund gedrückt, jenem seine Rilke-Lieblingsstrophen vor?“Johanna Beil, Skulpur "Lesender mit Hund", Terrakotta; (Copyright: J. Beil, Foto: Craftkontor)Johanna Beil, Skulpur „Lesender mit Hund“, Terrakotta; (Copyright: J. Beil, Foto: Craftkonto

Faszinierende Nähe zu den Gestalten stellt sich ein, geschaffen durch eine wunderbare Beobachtungsgabe von Johanna Beil und dem Talent der Illustratorin und Bildhauerin, dies in akribischer Feinmodellierung umzusetzen.Johanna Beil, Skulptur "Die Kreuzworträtslerinnen", Terrakotta; (Copyright: j. Beil, Foto: Craftkontor)Johanna Beil, Skulptur „Die Kreuzworträtslerinnen“, Terrakotta; (Copyright: j. Beil, Foto: Craftkontor)

„Um nuancierte Faltenlandschaften auf die Charakterköpfe zu bringen oder naturalistische Stoffkrumpel eines zu engen Sakkos zu formen, nutzt sie nichts als weißen Ton, unglasiert, nicht einmal mit weißer Engobe überfangen … leicht überzeichnet, geformt mit subtiler Ironie, typisiert in ihrer Bonvivant-Gemütlichkeit.“

Und weil diese Art der plastischen Formulierung so sehr uns Betrachter überzeugt, erhält Johanna Beil zunehmend auch Aufträge für Porträts von Mensch und Tier.Johanna Beil, Skulptur "Wie der Herr, so's G'scherr...., Terrakotta; (Copyright: J. Beil, Foto: A. Fidelak)Johanna Beil, Skulptur „Wie der Herr, so’s G’scherr…., Terrakotta; (Copyright: J. Beil, Foto: A. Fidelak)

„Blickwechsel I“ mit den Plastiken von Johanna Beil noch bis Ende Juni im CRAFTkontor.

 

Die lange Nacht der Galerien 2018

Alle Jahre wieder veranstalten 10 Bad Godesberger Galerien im Frühjahr eine lange Nacht.
Nun schon zum 6. Mal öffnen die Galerien  für Sie von 18.00 Uhr bis Mitternacht.  Am FREITAG, 4. Mai ist es so weit.BANNERnachtdergalerien2018Die 10 teilnehmenden Galerien zeigen spannende Positionen aus ihnren aktuellen Programmen: Malerei, Skulptur und Plastik, Fotographie, KonzeptArt, Druckgraphik, angewandte Kunst und Design.
Dieser Abend ist eine privat gestemmte Initiative dieser frei zusammengeschlossenen Galerien für ihren Stadtteil Bad Godesberg und natürlich Bonn und das Rheinland…
Und die Erfahrung zeigt: das Publikum ist bei weitem nicht nur lokal !

Wie jedes Jahr ist auch das CRAFTkontor mit einer Ausstellung dabei:
An diesem Abend eröffnen wir „Blickwechsel“.
Um 19.00 Uhr führt Olga Moldaver, wissenschaftliche Mitarbeiterin am KERAMION, der Stiftung für historische und moderne Keramik in Frechen, in die Ausstellung ein.
Wir zeigen Gefäße aus Porzellan von Martina Siegmund-Servetti
und Terrakotta-Skulpturen von Johanna Beil.Johanna Beil, Blickwechsel - Herr und Hund; Terrakotta; (Copyright: J. Beil)
Johanna Beil, Blickwechsel – Herr und Hund; Terrakotta;
(Copyright: J. Beil)

Johanna Beil wird anwesend sein,
Martina Sigmund-Servetti hat das Vergnügen, in dieser Zeit auf Einladung im chinesischen Keramikzentrum Jingdezhen zu weilen.

Die von Jahr zu Jahr steigenden Besucherzahlen der langen Galerienacht sind ein Beleg für spannende Abende und den Spaß Kunst direkt zu erleben.

Infos: nacht-der-galerien.de

Wunder der Natur…

Mehr oder weniger Halbzeit für die Ausstellung „Behausungen – Hüllen – Nester“, deren Schwerpunkt im Moment im CRAFTkontor die keramischen Arbeiten von Christiane Möhring sind.Einladungskarte aktuelle Ausstellung im CRAFTkontor Bonn-Bad GodesbergEinladungskarte der aktuellen Ausstellung im CRAFTkontor Bonn-Bad Godesberg (Copyright: A. Portsteffen, Cynthia Rühmekorf, C. Möhring, A. Mainz, Cultform)

Auf der Grundlage gründlicher Recherche und Beschäftigung mit Microstrukturen in der Natur um uns – in Moosen, in Unterwasserwelten, wie Muscheln, Korallen und Kleinorganismen, entwickelt Christine Möhring Keramikskulpturen.
Ihre Naturbetrachtugen, die auch im eigenen Garten stattfinden können, untermauert sie mit der Lektüre naturwissenschaftlicher Texte, um dann vertieft in die Gestaltung ihrer Objekte einzusteigen.Detail: Keramik Christina MöhringDetail: Keramik Christine Möhring

Der Aufbau der Objekte und die Trocknungsphasen nutzt sie um gestalterisch zu manipulieren – ergebnissoffen: sie dehnt , streckt, treibt und löchert ….Detail: Keramik Christine MöhringDetail: Keramik Christine Möhring

Lineaturen, Rillen, Löcher und Perforationen werden anschließend durch rauhe Schamotteoberflächen und manchmal mehrere Glasurbrände hintereinander in ihren Naturtönen überhöht.Detail: Keramik Christine MöhringDetail: Keramik Christine Möhring

Natur als Kunst in handwerklicher Vollendung !
Noch bis zum 27. April 2018 im CRAFTkontor zu bewundern.

Am Freitag, 4. Mai dann die diesjährige lange Galerienacht mit der Eröfnung einer neuen spannenden Ausstellung herausragenden Kunsthandwerks:
BANNERnachtdergalerien2018

 

Perspektiven….

Angekommen im neuen Jahr, fragt man sich, welche neuen Aussichten es mit sich bringt….
Das Jahr 2018 ist für das CRAFTkontor ein Jahr der besonderen Freude, denn die Ladengalerie wird im September 10 Jahre alt.
Wunderbar, dass ein Konzept, das sich ausschließlich auf die Präsentation von deutschem und europäischem Kunsthandwerk aus kleinen Ateliers und Manufakturen spezialisiert hat, trägt !
Es gibt Sie also doch noch, allen Unkenrufen zum Trotz, die Individualisten, die das Besondere, das Handgemachte, lieben !

Vier Schwerpunktausstellungen werden wie immer das Jahr gliedern:Christiane Möhring, Seeigel, Keramikskulptur, 70cm; (Copyright: Chr. Möhring)Christine Möhring, Seeigel, Keramikskulptur, 70cm
(Copyright: Chr. Möhring)

– Ab Ende Februar zeigen wir unter dem Titel
„Behausungen – Hüllen – Nester“ u.a.die faszinierenden Naturumsetzungen in Keramik von Christine Möhring.

– Die Teilnahme des CRAFTkontors an der so sehr erfolgreichen „Langen Galerienacht“ in Bonn-Bad Godesberg  bestreiten wir ab 4. Mai mit den Porzellangefäßen von Martina Sigmund-Servetti und den Terrakottafiguren  von Johanna Beil.Johanna Beil, Terrakottafigur "Die Schaumgeborene" (Copyright J. Beil)Johanna Beil, Terrakottafigur „Die Schaumgeborene“ (Copyright J. Beil)

– Den Sommer widmen wir dem Material, das so sehr unsere Zeit und unsere Umwelt prägt, dem Kunststoff. Schmuck und Gefäße zeigen die Vielfalt  der gestalterischen Möglichkeiten in diesem Material.

– Schwerpunkt im Herbst werden die strengen Arbeiten von Karin Bablok sein.Karin Bablok, Gefäßgruppe, Porzellan; (Foto u. Copyright: K. Bablok )Karin Bablok, Gefäßgruppe, Porzellan (Foto Dietlind Wolf, Copyright: K. Bablok)

Konsequent ist Bablok in ihrer fast ausschließlichen Beschäftigung mit dem „weißen Gold “ und schwarzen Dekorationen. Zum Teil bespielen sie abstrakt die Form , zum Teil betonen sie geometrisch die Form an sich.
Diese Strenge erfordert Sichtwechsel und so ergänzen wir ihre Arbeiten mit Werken von zwei weiteren Gestaltern…

Und danach sind wir schon wieder bei der Winterwunderkammer im CRAFTkontor zur Vorweihnachstzeit angekommen.
Sie sehen – es wird ein interessantes Jahr!

Ich freue mich auf Ihr Interesse !

BANNERnachtdergalerien2018

Keramikerin Susanne Altzweig im Film

Spannend und kurzweilig ist die Sendefolge „Handwerkskunst“ vom SWR.
Letzte Woche beobachtete das Filmteam Susanne Altzweig in ihrer Werkstatt bei der Erstellung eines Kaffeeservice-Sets.Susanne Altzeig, Geschirrserie Rosen, Keramik; (Copyright: Altzweig - Foto: Alzey)Susanne Altzeig, Geschirrserie Rosen, Keramik; (Copyright: Altzweig – Foto: Alzey)

Jeder Schritt dieser anspruchsvollen mehrtägigen Arbeit, um ein individuelles Service zu gestalten, wird verfolgt.
Die Besonderheit der Altzweigkeramik, die freie malerische Farbigkeit setzt den I-Punkt.

Wenn Sie es nicht gesehen haben: hier ist der lohnende Link zur Mediathek…

http://www.ardmediathek.de/tv/Im-S%C3%BCdwesten/Handwerkskunst-Wie-man-ein-Kaffeeservic/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=27081432&documentId=46832702

Die Leidenschaft und die fast selbstverständliche Könnerschaft Susanne Altzweigs wird im Film deutlich – Handwerkskunst – wie schön ist es, im Alltag solch Handgemachtes zu benutzen, das Besondere in jedem Teil zu erkennen – gesteigerter Genuss !

Besondere Vasenobjekte und Schalen von Susanne Altzweig konnten Sie schon vor einigen Jahren hier im CRAFTkontor bewundern…

Hier war die Reliefierung und die subtile Farbigkeit Thema….
Sicher werde ich diese geschätzte Keramikerin wieder Mal in einer weiteren Ausstellung zeigen….SusanneAltzweig1-VasenensembleSusanne Altzweig, Vasengruppe, Keramik, (Foto+Copyright: Altzweig)

Paarweise…. Gefäßkeramik…

Im Frühsommer besuchte ich ein Keramikatelier ganz im Norden Deutschlands, um das Ehepaar Lerch zur Ausstellung „Rabenschwarz“ zu verlocken, mir ein paar ihrer wunderbaren Arbeiten zu senden.
Dort in Bünsdorf Richtung Eckernförde haben Sie in ihrem Haus Leben und Arbeiten zusammengefügt. Schön dort zu schauen….
„Inke und Uwe Lerch zählen zu den auch international beachteten, im keramischen Metier tätigen Kunsthandwerkern, die auf eine fast dreißigjährige Erfahrung zurückblicken können. – (Gerade in diesem Jahr hatten sie zu ihrem 70. und 75. Geburtstag ein delikate Doppelausstellung in Berlin.)Inke Lerch, Gefäß, Porzellan; (Copyright: Lerch)Inke Lerch, Gefäß, Porzellan; (Copyright: Lerch)Uwe Lerch, Gefäß, Keramik; (Copyright: Lerch)Uwe Lerch, Gefäß, Keramik; (Copyright: Lerch)

Dabei verwirklicht jeder der beiden Ehepartner seine eigenen Ideen und stellt seine Gefäße vom Drehen übers Abdrehen bis zum Dekorieren und Glasieren selbst her; die komplexe, künstlerische Tätigkeit gestattet keine Arbeitsteilung.
Ihre unterschiedlichen Grundauffassungen vom Gefäß, ihre Gestaltungsprinzipien und -vorlieben kommen so in den Werken voll zum Ausdruck….

Inke und Uwe Lerch betrachten das Gefäß als eine gestalterische Aufgabe, die seit Menschengedenken ein Bestandteil des Lebens ist und für die auch weiterhin Lösungen zu finden sich lohnt. …Sie stellen sich dabei zusätzlichen Herausforderungen, wenn sie Körper gestalten, die die Funktion von Gefäß erfüllen oder oft stark gewölbte Gefäßoberflächen mit Flächendekoren in Einklang bringen ….“(Textzitat Dr. Karin Heise)

„Inke Lerch bevorzugt als Material feines Porzellan oder Steinzeug. Die Oberfläche behandelt sie mit gefärbten Porzellanengoben.
Das äußerst zeitaufwändige, fast schon meditative Prozedere erfordert höchste Geschicklichkeit und Sorgfalt.
Die mit perspektivischen Dekoren überzogenen Gefäße weisen reizvolle Kontraste zwischen gekrümmter Grundform und illusionistischer Malerei auf….“
(Die mit mathematischer Präzision berechneten Dekore sind perfekte Ritz- und Spritzarbeit – klassisch und modern zugleich und unverwechselbar Inke Lerch.)Inke Lerch, Free Form, Porzellan; (Copyright: Lerch)Inke Lerch, Free Form, Porzellan; (Copyright: Lerch)

Uwe Lerch fasst das Gefäß überwiegend als Plastik auf. Seine aus Steinzeug gedrehten Objekte haben strenge Formen und klare Konturen. (Seine Formen werden durch zum Teil friesartige Ritzdekore unterstrichen.)…“
(Textzitat Dr. Maren Jürgensen) Uwe Lerch, Geritzter Zylinder, Keramik; (Copyright: Lerch)

 

 

 

Uwe Lerch, Geritzter Zylinder, Keramik; (Copyright: Lerch)

 

In der Herbstausstellung im CRAFTkontor vertreten die Lerchs eine klassische Position der heutigen Keramik: in sich ruhend und doch Aufsehen erregend.
Sie sind mit vielen ihrer Werke in den bedeutenden Keramiksammlungen und-Museen vertreten.

 

„Schwarz sticht alles…“ (Coco Chanel)

Herbstzeit – es wird früher dunkel und auch die Mode widmet sich wieder dem beständigen Lieblingston der Winter-Saison, dem SCHWARZ.
Auch in Kunst und Kunsthandwerk ist Schwarz ständig präsent: nimmt sich zurück und betont gleichzeitig Graphik, Form und Haptik der Objekte…

Sie sehen schon, die neue Ausstellung im CRAFTkontor widmet sich ebenfalls dem Schwarz… Titel: RABENSCHWARZ.Rabenschwarz.indd
RABENSCHWARZ ist das tiefste Schwarz und wir verbinden es mit dem Thema der Raben, einem der Intelligentesten der Vögel.

Neben den Rabenskulpturen von Ule Ewelt (ich erinnere an die sooo erfolgreiche Ausstellung ihrer Tierskulpturen im Mai 2017) und demnächst auch von Andreas Hinder, sind die kommunikativen Vögel durch Zeichnungen von Karen Meunier und Irmgard Hofmann vertreten.Karen Meunier, Rabe, Zeichnung;Karen Meunier, Rabe, Zeichnung; (Copyright: Meunier)Irmgard Hofmann, Abramelin, Zeichnung Tusche; (Copyright: Hofmann)Irmgard Hofmann, Abramelin, Zeichnung Tusche; (Copyright: Hofmann)

In einer Zeit, in der es uns zieht, jede noch verbliebene leuchtende Blüte ins Haus zu holen, sind natürlich auch Vasen ein Schwerpunkt:
Die Keramikerin Tanja Möwis aus Bremen ist mit einer wunderbaren Gruppe zu Gast.
Ebenfalls von ihr ist ein Schalen- Becherset mit Teekanne…Tanja Möwis, Vasen und Becher im Galerieregal, Keramik; (Copyright: Möwis, Portsteffen)Tanja Möwis, Vasen und Becher im Galerieregal, Keramik; (Copyright: Möwis, Portsteffen)

Tee und Kekse sind auch die Dinge, die für die schönen Schalen von Martina Sigmund-Servetti gedacht sind: zart aber widerstandsfähig aus schwarz/weiß marmoriertem Porzellan gedreht….Martina Sigmund-Servetti, Schalen, marmoriertes Porzellan; (Copyright: Servetti, Portsteffen)Martina Sigmund-Servetti, Schalen, marmoriertes Porzellan; (Copyright: Servetti, Portsteffen)

Die Zusammenstellung zum Thema „Rabenschwarz“ im CRAFTkontor läuft bis Mitte November und in dieser Zeit werde ich Ihnen auch ein paar weitere Protagonisten der Ausstellung vorstellen.

 

 

Herzlichen Glückwunsch Lotte Reimers

Zum 85. Geburtstag einer der bedeutendsten Keramikerinnnen Deutschlands
und als Ausflugstip in Sachen Keramik und Kunst in ein wunderbares kleineres Museum…

Ein Leben für die Keramik

› Schalen, Schüsseln und Teller, Krüge, Figuren und Gefäße auf umgedrehten Holzkisten, auf Tischen, Podesten und in Vitrinen. Im Dezember 1956 haben Keramiken das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum besetzt. Wenig anders sieht es in den herrschaftlichen Sälen in Hannover-Herrenhausen oder im Klingenmuseum in Solingen aus. Lotte Reimers und Jakob Wilhelm Hinder (1901–1976) zeigen moderne Arbeiten aus Ton überall dort, wo es geht: in Kurhäusern, in Turn- und Schützenhallen, aber auch in Schlössern und Museen.
Das Mädchen und der „Wandergalerist“
So ungewöhnlich wie diese Wanderausstellung ist auch das Team, das dahintersteckt: Ein gerade einmal 24-jähriges Mädchen aus Hamburg, das sein Abitur zwar bestanden, aber das eigene Studium an der Kunsthochschule in den Wind geschossen hat. Und ein 30 Jahre älterer „Wandergalerist“ aus Weidenhausen bei Marburg, der eigentlich Kaufmann ist, aber die Keramik liebt. Jahrzehntelang werden sie zusammenbleiben, Keramiken als Kunst zeigen, erklären, dokumentieren, sammeln und verkaufen — und schließlich im Jahr 1971 im pfälzischen Deidesheim ein Museum einrichten und zur ersten Adresse in Sachen Keramikkunst ausbauen. Aber sich immer mit „Fräulein Reimers“ und „Herr Hinder“ ansprechen.Lotte Reimers‘ „Keramisches Objekt“.

Thomas Duttenhoefers Eisenskulptur „Last des Amtes“ (links) ist derzeit in der Schloss Villa Ludwigshöhe zu sehen, ebenso wie …Gemälde von Hellmut Neukirch;
Mehr als 60 Jahre sind seit der eingangs beschriebenen Ausstellung im Bochumer Museum und mehr als 45 Jahre seit der Gründung des Deidesheimer Museums vergangen, doch die Aufbruchsstimmung, die Leidenschaft und Risikobereitschaft von damals sind noch immer beeindruckend. Wenn die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz nun auf Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben eine Ausstellung zeigt und die Mannheimer Ike und Berthold Roland-Stiftung ihren Ehrenpreis an Lotte Reimers vergibt, dann wird eine der bedeutendsten Keramikerinnen Deutschlands gewürdigt.
Mittwochs im „Goldenen Weinberg“
„Ars Phantastica“ heißt die Schau, in deren Rahmen Reimers zu ihrem 85. Geburtstag nicht sich selbst, sondern das Land beschenkt: 79 Objekte, Malereien, Grafiken und Plastiken von regional und überregional bedeutenden Künstlern gehen damit in den Besitz des Landesmuseums über. Mit vielen hatte Reimers in den 1970er- und -80er-Jahren Gruppenausstellungen in Deidesheim organisiert. Und immer wieder zusammengesessen und mit Künstlern, Schriftstellern, Journalisten, Architekten, Kuratoren und Galeristen diskutiert: immer mittwochs im Restaurant „Goldener Weinberg“. Darunter waren auch der Neustadter Bildhauer Gernot Rumpf, der Beuys-Schüler Hannsjörg Voth oder der Krefelder Kinetiker Adolf Luther.
Deidesheimer Künstlerzirkel
Zur Runde gehörte auch Ingrid Vetter, die heute die Abteilung Moderne Keramik des 20. Jahrhunderts des Landesmuseums leitet und die umfangreiche Sammlung von Jakob Wilhelm Hinder und Lotte Reimers, die schon vor einigen Jahren ans Land Rheinland-Pfalz ging, inventarisiert hat. „Ein Stück Zeitgeschichte“ hat sie nun ihre neue Ausstellung überschrieben. Das trifft es ziemlich genau, denn „Ars Phantastica“ ist nie eine Stilrichtung gewesen und die Künstlergruppe aus Deidesheim nie ein fester Kreis. Was sie allerdings einte, war ihr gesellschaftskritisches Denken: „Last des Amtes“ hat etwa Thomas Duttenhoefer seinen selbstzerstörerischen Papstkopf aus Eisen genannt, zu sehen sind aber auch eine Grafik des Mannheimers Walter Stallwitz oder surreale Szenen von Hermann Hoormann.
Keramik als Kunstform
Arbeiten von Lotte Reimers selbst gibt es derzeit auf dem Flur der Slevogt-Galerie zu sehen, für die mehrere tausend Stück zählende Keramik-Sammlung ist nach wie vor der Gewölbekeller vorgesehen. Sie zeigt, wie kenntnisreich, aber auch weitsichtig Hinder und Reimers gesammelt haben und wie sich die Keramik vom zweckgebundenen Gefäß zur freien Form weiterentwickelte. „Jakob Wilhelm Hinder hat die Keramik als Kunst etabliert und sich dafür in ganz Deutschland umgesehen. Lotte Reimers aber war es, die den Blick auch in andere Länder öffnete“, betont die Kuratorin Ingrid Vetter.Beide seien immer auf der Suche nach Künstlern gewesen, die alte Techniken und Glasuren innovativ und für eigene Positionen einsetzten. Auch die frei aufgebauten Keramiken von Lotte Reimers selbst sind darunter, die wie rätselhafte Architekturen emporragen und über die sie selbstentwickelte Glasuren etwa aus der Asche von Rebstöcken schüttet, schleudert oder sie gänzlich darin eintaucht. Lotte Reimers Kunst hat daher etwas sehr Sinnliches, sie wirkt eigentümlich und warm. Irgendwie archaisch.
Und dadurch zeitlos aktuell. ‹
(Textcopyright Kulturmagazin der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, 2/17)

Ars Phantastica
bis 09. Juli 2017
Max-Slevogt-Galerie, Schloss Villa Ludwigshöhe, Edenkoben
Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr
www.max-slevogt-galerie.de
www.lottereimers.de
www.keramik-sammlung.de

Sonngard Marcks – Keramische Bildwelten

S.Marcks Teller Fliege.PersischerStoff D32,5

Sonngard Marcks, Teller „Fliege“ , Fayencemalerei auf Keramik;

Eine herausragende Keramikerin unserer Zeit hat in Kooperation mit der Neuen Sammlung München (Pinakothek der Moderne)  in Bielefeld eine Einzelausstellung bekommen.
Wenn Sie in der Nähe sind: hier meine Empfehlung zu einem Besuch !!

Kenner des CRAFTkontor lieben sie aus zwei vergangenen Ausstellungen „Stillleben“ und „Botanica“.
Diese Ausstellungstitel geben schon Hinweise auf den Schwerpunkt ihres Schaffens, der feinfühligen Malerei von Fauna und Flora in zauberhaften Kompositionen und das, wenn man mag, sogar auf nutzbaren Formen !Sonngard Marcks, Schale "Birnen", Detail der Fayencemalerei auf KeramikSonngard Marcks, Schale „Birnen“, Detail der Fayencemalerei auf Keramik

„In der zeitgenössischen Keramik ist Sonngard Marcks eine feste Größe. Die Ausstellung beleuchtet ihr Schaffen der letzten 20 Jahre. Spannend zu beobachten ist die permanente künstlerische Weiterentwicklung. Stillstand gibt es bei ihr nicht, stets ist die Künstlerin auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen.

Beginnend in den 1990er Jahren dominiert bei Sonngard Marcks die ungesinterte, rote Irdenware mit dunklem Scherben und einer eher transparenten Engobe- und Glasurmalerei. Inhaltlich ist die Malerei von abstrakt-geometrischen Elementen geprägt. Auch die Objekte selbst – Kannen, Teller, Schalen, Vasen, Objekte  –  sind deutlich der geometrischen Formgebung verpflichtet. Allgemein ist diese Phase von einem freien, spielerischen Umgang mit jeglicher Form bestimmt, wird der Geste des Zufalls Spielraum gewährt.

Nach dem Jahr 2000 verschiebt sich der Schwerpunkt ihrer Arbeit in Richtung Fayencetechnik, Bedeutung erlangt der zinnglasierte, weiße Malgrund, wichtig wird nun auch die Präzision im malerischen Detail. Eine weitere Veränderung betrifft das Thema der Glasurmalerei, die Künstlerin arbeitet nun gegenständlich, sie widmet sich zusehends Motiven aus Fauna und Flora. Zunächst noch grafisch abstrahiert, geraten die dargestellten Wesen immer naturalistischer, schließlich bekommen sie sogar in Beigabe einer Schattenzeichnung die dritte Dimension zugestanden. Auch dürfen Früchte plastisch bzw. objekthaft auftreten. Was so in Erinnerung barocker Schaugerichte beginnt, mündet schließlich in Collagen und Installationen.

Sonngard Marcks studierte an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein (heute Kunsthochschule Halle a. d. S.). Sie erhielt zahlreiche Preise: Keramikpreis Neuburg/Donau (Sonderpreis der Jury 1992), Keramikpreis der Stadt Bürgel (1997), INAX Design Prize for Europeans (Tokio/Tokoname, Japan, 1998), Oldenburger Keramikpreis (2003 und 2004), Dießener Keramikpreis (2008) und Bayerischer Staatspreis (2008). “

Museum Huelsmann – Weiße Villa
Ravensberger Park 3
D-33607 BielefeldÖffnungszeiten
dienstags bis samstags 14 – 18 Uhr
sonntags 11 – 18 Uhr

Öffentliche Führungen: Mi, 10.05.17 + 14.6.17 + Sa, 01.07.17, jeweils 15 Uhr
Kulturcafé: Mi, 17.05.17 + 21.06.17, jeweils 15.30 Uhr (Anmeldung Tel. 0521 – 51 37 66)
Finissage: So, 13.8.17, 17 Uhr

Katalog: Sonngard Marcks – Keramische Bilderwelten
Herausgeber: Angelika Nollert, Die Neue Sammlung, München
Text: Josef Straßer, Vorwort: Angelika Nollert
München: Die Neue Sammlung, 2016
ISBN 978-3-9813755-9-615

Die Tierherde ist angekommen….

Die Vorbereitungen für die neue Ausstellung im CRAFTkontor laufen auf Hochtouren.
„RAUCHZEICHEN“ wird Kalligraphien und Keramiken kombinieren.

Heute kam der „Tiertransport“ … die Keramikerin Ule Ewelt brachte in gut ausgepolsterte Kisten ihre wunderbaren Tierkeramiken.

Ule Ewelt Tierskulpturen in den Transportkisten; Foto: CRAFTkontor

Ule Ewelt
Tierskulpturen in den Transportkisten;
Foto: CRAFTkontor

Diese Tierdarstellungen faszinieren durch ihre gedankliche Nähe zu den Darstellungsformen der Höhlenmalerei, hervorgerufen durch die reduziert archaische Gestaltung und die bewußte Nutzung des Rauchbrandes.

Ule Ewelt, Pferde, Rauchbrandkeramik; Copyright: Ule Ewelt

Ule Ewelt, Pferde, Rauchbrandkeramik;
Copyright: Ule Ewelt

Als ich vor Wochen ihr Atelier in Hessen besuchte, hatte ich die Chance, die Auswahl für die Ausstellung aus dem Vollen zu treffen, denn Ule Ewelt hatte für den Tag der offenen Ateliers ihre Scheune dekoriert.

Showroom Ule Ewelt; Fotocopyright: Ewelt

Showroom Ule Ewelt;
Fotocopyright: Ewelt

Freuen wir uns also jetzt schon auf den nächsten Freitag,
den 29. April 2016, denn um 19.00 Uhr wird dann im CRAFTkontor die neue Ausstellung während der langen Bad Godesberger Galerienacht eröffnet.

www.nacht-der-galerien.de