Freia Schulze Glaskunst

Fabulierfreudig und kunstvoll ist die Glasgestaltung der Lübeckerin Freia Schulze.

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Freia Schulze, beispielhafte Glasgefäße (Fotocopyright: Bernd Perlbach)

Ihr Weg dahin war in Zeiten großen Glassammlertums, der Studioglasbewegung und der nachvollgenden Stagnation im Bezug auf künsterlisches Handwerk in Deutschland bewegt.

2007, anläßlich der Verleihung des renommierten JUSTUS BRINCKMANN PREISES der gleichnamigen Gesellschaft des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg, schrieb dessen damaliger Leiter, der Doyen des dt. Kunsthandwerks, Rüdiger Joppien:

„Mit Freia Schulze erhält nach langer Zeit wieder eine Glaskünstlerin den Justus Brinckmann Preis.
Wir freuen uns sehr, denn künstlerisches Glas ist heute in Deutschland schon fast selten geworden…

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Freia Schulze, Glasgefäß mit Golddetails (Fotocopyright: Craft2eu u. Bernd Perlbach)

Freia Schulze verfügt über eine gründliche Ausbildung, die sie auf verschiedenen Schulen und in mehreren Ländern erworben hat.
1967 begann sie als junge Frau an der Werkkunstschule Schwäbisch-Gmünd ein Studium im Glasschliff….
Vorbild waren der legendäre Stuttgarter Glasschleifer Wilhlem von Eiff und Hanns Model – zwei künstlerische Glasschleifer, die mit Arbeiten in Schwerschliff brillierten und dabei den Oberflächen der Gläser ein plastisches, auch haptisch spürbares Aussehen gaben…
Plastische Glasschliffarbeiten gaben bereits in den 1960er Jahren eine Ahnung vom Glasobjekt als autonomem Kunstwerk.

Als dann am Ende desselben Jahrzehnts die internationale Studioglasszene aufbrach und sich wieder dem frei geblasenen Glas zuwandte, verlor der Glasschliff merklich an Bedeutung. Nur wenige blieben ihm treu.

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Freia Schulze, plastisch geschliffenes Gefäß; (fotocopyright: Bernd Perlbach)

Freia Schulzes Ausbildung und Entwicklung fällt in diesen Übergang: sie versuchte, neben derm erlernten Beruf auch noch andere Facetten der Glasgestaltung kennen zu lernen.

Nach ihrem Diplom in Schwäbisch-Gmünd 1971, wo sie auch Emailleren und plastisches Gestalten studiert hatte, ging sie für ein Jahr an die Hochschule für Angewandte Kunst nach Wien.
Danach, von 1972 bis 75, besuchte sie das College of Art in Stourbridge, England.
Später beschrieb sie diese Zeit:
„War meine Ausbildung in Schwäbisch-Gmünd eher auf das Ausbilden perfekter handwerklicher Fähigkeiten gerichtet, so waren die Studien in England wichtig, mit weiteren Gestaltungsmöglichkeiten zu experimentieren.
Die offene Ausbildung an diesem College mti seiner hervorragenden technischen Aussteattung ließ (mich) Erfahrungen sammeln mit der Flachglasgestaltung, dem Glasguss und dem Verschmelz- und Einschmelzverfahren.“
Freia Schulze kehrte 1975 nach Deutschland zurück und machte ein achtmonatiges Praktikum in der Glashütte der Gebr. Eisch in Frauenau, wo Erwin Eich, einer der Begründer der internationalen Studioglasbewegung, ein eigenes Studio mit Ofen unterhielt.
Wurde der ofen nicht gebraucht, konnte Freia Schulze daran arbeiten…

Nach einem dreimonatigen Studienaufenthalt in den USA arbeitete Freia Schulze acht Monate als Entwerferin für Kleinserien in der von Roberto Niederer geleiteten Glashütte Hergiswil am Vierwaldstätter See.
Ein Jahr später, 1978, machte sie sich schließlich in Diessen am Ammersee mit einer Werkstatt selbstständig, wo sie beiden Fähigkeiten, dem Entwerfen und der handwerklichen Ausführung nachgehen konnte…

Familiäre Gründe veranlaßten sie jedoch, nach zehn guten und ereignisreichen Jahren, 1988 wieder nach Lübeck zurückzukehren und dort noch einmal eine Werkstatt aufzubauen.

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Freia Schulze, Gefäße, Überfangglas, emailliert, gesandstrahlt – Golddetails; (Fotocopyright: Bernd Perlbach)

Bei ihren Arbeiten hat Freia Schulze stets auf kluge Beschränkung der Mittel gesetzt.
Da sie kleine Glasbläserei betreibt, keine Manufaktur führt, arbeitet sie autark, ohne Mitarbeiten.
Die Gläser, die sie verarbeitet, werden von ihr entworfen; nach ihren Zeichnungen werden sie in einer Hütte in Zwiesel, gelegentlich auch in Skandinavien hergestellt.
Damit kann sie sich vollständig auf deren Veredelung konzentrieren….

Seitdem kombiniert sie gern Schliff und Gravur auf ihren Gläsern. Entscheidend neu war aber das Element der Farbe: mit partielle emailiierten und matt gesandstrahlten Seitenflächen tritt eine Technik auf, die seitdem im Werk von freia Schulze szilbildend und dominant geworden ist.

Freia Schulzes farbliche Veredelung von Gläsern sieht einen umfassenden Emailauftrag vor, der bei 540 Grad auf der Gefäßwandung aufgebrannnt wird. Durch mehrfaches Brennen entsteht eine hohe Intensität der Farben.
Danach werden auf der emaillierten Fläche viele kleine figürliche und geometrische Motive oder ganze Ornamentbänder in Form von Folien aufgelegt, wbei man sich diese Motive durchaus wie kleine Scherenschnitte vorstellen kann.
Anschließend wird das Werkstück in einem geschlossenen Kasten einer Sandstrahlung unterworfen, die die großflächige Emailschicht wegstrahlt und an deren Stelle eine mattierte Oberfläche zurückläßt…
Nach Entfernung der Folie ergibt das ein milimeterfeines Farbrelief, eben das Muster, das jetzt das Glas als Ganzes schmückt.

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Freia Schulze, Paperweight „Früchte“ (Foto: CRAFTkontor)

Soweit ich sehe, hat Freia Schulze dieses Verfahren erfunden und übt es als einzige aus.
Der Effekt ist überraschend gestalt-und farbenfreudig.
Die Muster sind bunt. frisch und voller Einfälle. Sie enthalten so unterschiedliche Motive wie Palmen und Sterne, Früchte und Blumen, Schlnagen und Treppen, Stacheltiere und Fische, ein unerschöpflicher Vorrat an kleinen Illustrationsmotiven, die die Künstlerin mit leichter Hand ausschüttet und verstreut…

Die Bildmotive schweben oder wirblen durch den Raum oder verdichten sich hier und da zu Ornamentfeldern….

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Freia Schulze, Vase (Fotocopyright: Bernd Perlbach)

Freia Schulzes Glasarbeiten sind Ziergegenstände oder Nutzobjekte der Poesie auf kleinstem Raum, verspielte Zeugnisse einer Welt, die man nur erträumen kann…

Ob Flakon oder farbig geschmückte Trinkbecher, Karaffen oder Vasen, alle Arbeiten Freia Schulzes sind Sammlerstücke, die sich heute hoher Akzeptanz erfreuen….
es ist ein „kleines aber feines“ Werk entstanden, das in der Glaskunst der Gegenwart absolut unverwechselbar ist.“
(Copyright Rüdiger Joppien im Katalog zum Justus Brinckmann Preis 2007, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg)

Viele Arbeiten Freia Schulze können Sie im Moment im CRAFTkontor, Bonn Bad Godesbergs erleben.
Glasgestaltung at its best !

ADVENT IN HAMBURG

Jedes Jahr im Advent beginnt die großartige Messe „KUNST UND HANDWERK“ im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg mit dem Ausloben des renommierten JUSTUS BRINCKMANN PREISES.

Der Preis geht dieses Jahr an die Gold- und Silberschmiedin Astrid Keller aus Bremen (www.kellerwerkstatt.de) für ihre Arbeit im Schmuck und Gerätbereich.

JustusBPreisEinladung„Astrid Keller ist eine Schmuck- und Gefäßmacherin, die neue Strategien ausprobiert und dabei zwischen Schmuck und Gerät beständig wechselt, die Silberbleche walzt und zu Bechervasen faltet, die in ihrer äußeren Erscheinung einem naturhaften Gewächs ähnlicher sehen als einem traditionell aufgezogenen Gefäß, die eine nahezu identische Formgebung aufweisen und sich doch sämtlich unterscheiden durch Größe und Ausformung der Mündungsränder, die in hellem Silber glänzen oder in  geschwärzter Patinierung auftreten.Astrid KellerGoldschmuck-Vase-Broschen-S

Nach den Faltblechvasen entstanden Schalen und Vasen aus minutiösen Rundösen, die sie über einer Stahlfläche verschweißt, um zarte Körperumrisse auszubilden. Neuere Gefäße erwachsen aus der pulverisierten Feilung von Silber, die über einem Gipskern aufgetragen und mit der heißen Flamme verschweißt wird und eine seltsam poröse, morbide Oberfläche
erzeugt; Lochbildungen in der Fläche erinnern an oxidierte Grabungsfunde und die Ästhetik von Kunstwerken prähistorischer Epochen. Auch Schmuckstücke, z.B. Glieder von Halsketten, entstehen auf diese Weise.

Astrid Keller verbindet mit archaisch anmutenden Techniken innovative Ideen und verleiht ihren Objekten damit eine Anmutung
von Zerbrechlichkeit.

Ihre anthrazitfarbenen bis schwarzen Oberflächen weisen jede bunte Vereinnahmung von sich und
distanzieren sich von der dekorativen Opulenz unserer Zeit; vielmehr wirken sie melancholisch und introvertiert.
Die Schmuckstücke und Gefäße Astrid Kellers drängen nicht nach lauter Aufmerksamkeit, nichts Spektakuläres haftet
ihnen an; es braucht eine Zeit, sich ihrer technischen und geistigen Unabhängigkeit bewusst zu werden und sie für diese
Eigenschaften zu bewundern.“ (Text aus dem Katalog zum Justus Brinckmann Preis 2011)

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Astrid Keller, Lace-Object „Schale“, Silber;

Den exquisit fotographierten Kataolg mit Astrid Kellers Werken finden Sie unter foldengem Link:
( http://www.kellerwerkstatt.de/assets/files/2011-10-19_katalog_astrid_keller_ansicht.pdf )

Die Adventsmesse im Museum für Kunst und Gewerbe ist eine Publikumsmesse:
Mein jährlicher Wintertip für Hamburg !


ADVENTSMESSEN in HAMBURG

Sollten Sie es noch nicht wissen:
Alljährlich lockt die hochkarätige Messe für Kunsthandwerk ins Museum für Kunst und Gewerbe  in Hamburg. Ein Klassiker für Sammler und Menschen die gut gestaltete Dinge verschenken möchten. Die Auswahl ist erlesen!

Natürlich nutzen auch wir Galeristen die Messe, um Bekanntschaften zu vertiefen, Werkwissen zu kompettieren und nach Entwicklungssträngen zu suchen.

Zum Beginn der Veranstaltung, die vom 1. Adventswochende bis Weihanchten in den Museumssälen läuft, wird der renommierte Justus-Brinkmann-Preis für Gestaltung vergeben. Im letzten Jahr erhielt der Hamburger Gold- und Silberschmied Jan Wege den Preis und diesmal wird  meine jahrelange Favoritin für Ihr Werk geehrt: die Schreinerin Hendrike Fahrenholtz.

„Die Stücke von Hendrike Farenholtz sind eine rationale wie emotionale wie tatsächlich funktionierende Antwort auf die allgemeine Designmüdigkeit unserer Zeit.“ betont Dr. Dirk Boll in seiner Laudatio.

Sie ist bekannt durch ihre meisterlichen Möbel: Kabinettschränke, Tische, Bänke, Stühle und Möbel für Kinder werden von ihr entworfen und eigenhändig ausgeführt. Dabei sind diese Objekte stets so konzipiert, dass sie besondere gestalterische und funktionale Lösungen präsentieren.
Schlichtheit – feine Lini
en – wunderbare Schublösungen stehen für ihr Werk…HendrikeFahrenholtz34_titlethumb

Vielleicht haben Sie ja Zeit für einen lohnenden Trip nach Hamburg in der Vorweihnachtszeit.

Dazu noch ein 2. Tipp, wenn Sie in Sachen Kunsthandwerk unterwegs in HH sind: hinter dem Bahnhof geht es mit guten Dingen etwas alternativer weiter: in der KOPPEL 66, dem Atelierhaus  in der Langen Reihe 75 stellen Ateliernutzer und Gäste an allen Adventswochenenden aus.