Sie haben was verpaßt! Nachlese eunique 2011

Am Sonntag Abend endete die EUNIQUE 2011 und nachdem Gestern für uns Messeteilnehmer ein Aufräum- und Erholungstag nötig war, hier nun meine Nachlese.

euniquePublikum

Über 10.000 Besucher sahen eine beeindruckende Auswahl an hervorragenden Objekten von Kunsthandwerkern und Designern aus dem In- und Ausland. Unendliche Gespräche über das WAS und WIE waren möglich. Fachpublikum und sehr viele Kunsthandwerk Interessierte nutzen die wunderbare Gelegenheit zum Austausch und Kauf.

Am Freitag war die Verleihung des WCC Europe Awards (World Craft Council Europe) und die Kenner des CRAFTkontor konnten einige bekannte Gestalter unter den 12 nomminierten Kunsthandwerkern wiedersehen: Ulrike Isensee mit ihren textilen Schalobjekten, Frank Meurer, Gestalter wunderbarer Glasobjekte und Ruprecht Holsten, den Metallgestalter.

Letztendlich 
gewinnt John Moore den WCC-Europe EUNIQUE Award for Contemporary Crafts 2011

euniqueJohnMoore2011

„Die Jury wählte aus den über 350 ausstellenden Künstlern zwölf Finalisten aus. Das war keine leichte Aufgabe, denn die Qualität der einzelnen Arbeiten auf der EUNIQUE ist äußerst hoch und zudem mehr als vielfältig“, wie der WCC Europe-Präsident Bernd Roeter bei der Preisverleihung betonte. Der diesjährige Award ging an den englischen Schmuckdesigner John Moore, der sich nun im Rahmen des Preises über eine Standfläche auf der EUNIQUE 2012 freuen kann. Der Preis wurde von Britta Wirtz, Projektchefin eunique der Messe Karlsruhe, überreicht.

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John Moore, flexibler Arm- und Halsschmuck aus eloxiertem Aluminium;

Für uns Galeristen war die diesjährige (3.) eunique das erste Jahr mit Galerieareal, eine gute, aber noch sehr ausbaufähige Plattform der Präsentation hochwertigster Sammlerstücke.
„Galerien verstehen sich als Vermittler zwischen Künstlern und Kunstinteressierten und müssen auch ständig neue Wege suchen, um die Kunst, die sie vertreten, bekannt zu machen. Dies bedeutet: stetig neue Märkte erschließen und neue Orte der Begegnung zwischen Menschen finden. Ein solcher Ort kann auch die EUNIQUE werden, die versucht, ein breites qualitatives Angebot von Einzelstücken zu zeigen, die direkt auf den Macher, den Künstler bzw. den Designer hinweisen“, erklärt hierzu Marianne Heller, Galeristenkollegin aus Heidelberg. (Zitat  eunique)

Eine spannende Publikumsmesse, die eigentlich ein MUSS für alle Liebhaber individueller und künstlerisch hochwertiger Objekte ist, sei es nun tragbarer Schmuck oder eine Skulptur für das Interieur, ein spannendes Kleidungsstück oder ein Essgerät.

Wenn Sie es in diesem Jahr verpaßt haben: der Termin für 2012 ist der 3. – 6. Mai.

 

Nordische Impressionen…

Meine diesjährige Atelier- und Einkaufstour für das CRAFTkontor begann mal wieder in der Werkstatt des Kunstschmiedes Ruprecht Holsten, der mich mit Neuigkeiten versorgte. Die Hitze des Sommers in Kombination mit der Hitze des Schmiedefeuers hat selbst den feurige Temperaturen Gewohnten aus der Bahn geworfen und er mußte ein wenig pausieren – trotzdem habe ich ein paar schöne Schalen mitnehmen können.
Ruprecht Holsten Showroom

Dann stand am Wochende der Internationale Keramikmarkt in Oldenburg an: immer ein schöner Termin um kompakt viele Bekanntschaften zu erneuern und auch die ein oder andere Entdeckung zu machen.  Diesmal beeindruckte mich Sangwoo Kim mit seinen ebenmäßigen, streichelfeinen großen Eiformen – ursprünglich faszinierend, im Erdfeuer gebrannt und dadurch mit wunderbaren Rauchbrandglasuren…da kommen Assoziationen zu Dinosauriereiern auf..Int.KeramikmarktOldenburg

 

 

 

 

 

Letzte Detailabsprachen traf ich mit Sonngard Marcks für die kommende „Stillleben“-Ausstellung. Ihre Fayence werden das CRAFTkontor in den Herbst führen.

Weiter ging es sehr weit gen Norden: zum Glasmuseum im dänischen Ebeltoft – einem Zentrum dänischen Glases. Die aktuelle Sommerausstellung „Flora“ beschäftigt sich mit floralen und experimentell vegetabilen Formfindungen in Glas. Geblasen in äußerster technischer Rafinesse, aus Floatglas oder Scheibenglas – von der naturalistischen Kohlblatt-Installationen leider bis zum Kitsch. (www.glasmuseet.dk)
Das hübsche alte Städtchen Ebeltoft ist auch für viele weitere Kunsthandwerker Lebensmittelpunkt – uns jedoch drängte die Fährverbindung auf die Insel und nach Kopenhagen.

Hier steht jedes Jahr im August der „Kunsthandverkeremarkedet“ von 150 dänischen Kunsthandwerkern unter königlicher Schirmherrschaft auf dem Programm.  Auf dem wunderschönen Frauenplatz gilt es wiederum alte Kontakte zu erneuern und Entdeckungen zu machen.Immer wieder beindruckt die hohe Qualität und überwiegende Schlichtheit der Dänen. Natürlich ist auch hier der Trend zu skuril erzählenden Objekten angekommen und es mischt sich auch leicht Verkäufliches unter. Trotzdem konnte ich, leicht beeinträchtigt von Wolkenbrüchen, Birgit Daa Birkkjaer entdecken: inspiriert von der Webkunst früher Völker webt Sie kleine gemusterte Deckeldosen und Korbfamilien aus sehr feinem Loomgeflecht und integriert Naturelemente wie Dornen und Knöchelchen. Es entstehen kleine Wunderwerke in Naturfarben, wunderschöne Behältnisse unserer geheimen Sammelleidenschaften. Und das Schönste: Sie konnte mir zur nächsten Ausstellung eine ganze Reihe davon zusagen.
Freuen Sie sich darauf.BirgitDaaBirkkjaer2

Der Rückweg nach Süden führte uns noch in die Lüneburger Heide, ins Glasatelier von Frank Meurer, den Sie mit  vielen seiner Objekte schon aus dem CRAFTkontor kennen. Hier galt es Neuheiten einzupacken und für den Winter zu bestellen, ehe es weiter Richtung Zuhause ging.
Die Sommertour, immer wieder belebend und Erkenntnisreich.

Gluthitze bei Schneegestöber- Besuch beim Kunstschmied Ruprecht Holsten

Die Rückfahrt von ein paar Tagen Karnevalsflucht auf der tiefverschneiten und von Eisschollen umgebenen Insel Sylt, nutzten wir, um die Ausstellungsobjekte für „Federleicht und BLeischwer“ aus der Kunstschmiede von Ruprecht Holsten in der Nähe von Bremen abzuholen.RuprechtHolstenKreuzvase-blog
Die Gluthitze seines Arbeitsbereiches war ein guter Kontrast zum Schneegestöber.
In der langen Schmiedetradition seiner Familie steht Ruprecht Holsten mit seinen puristischen Schalen und Interieurobjekten aus Stahl mitten im 20./21. Jahrhundert.
Pure Form und authentische Materialästhetik zeichnen seine zeitlos modernen Arbeiten aus. Sie entstehen in einer fast archaischen Umgebung zwischen Schmiedeofen, Bandschleiferei, Hofkatze und einem wunderbaren 60kg Dampfhammer, der es Holsten ermöglicht, sein 4-6mm Material zu den Schalen und Formen zu schmieden, die Sie in der Ausstellung erfreuen werden.

“ Eine besondere Bedeutung hat für die Arbeit Ruptrecht Holstens der von seinem Großvater angeschaffte Federhammer, ein altes, über einen Transmissionsriemen angetriebenes Werkzeug, das mit der ungeheuren Wucht von 60kg auf das glühende Metall donnert, es aber nur für den Bruchteil einer Sekunde berührt und zurückschnellt.
Die Hammerarbeit dieser „Aufzug-Schmiedetechnik“, die von Holsten singulär ausgeübt wird, bringt eine sehr reizvolle Oberflächenstruktur hervor, weil im Zusammenspiel von Glühen und Treiben abfallender Zunder partiell wieder eingeschlagen werden kann….
Die Ränder der fertig getriebenen Gefäße werden glänzend poliert…Die Arbeit an den Schleifriemen ist langwierig und im Gegensatz zur fast dramatischen, kraftzehrenden Schmiedearbeit von konzentrierter Ruhe geprägt.“
Uta Bernsmeier, Focke-Museum, Bremen 2004

Und wenn Sie mal gutes Kunsthandwerk auf Sylt suchen: neben vielen guten Einzelateliers (Edda Raspe / Schmuck; Birte Wieda / Schmuck; Gerd Westphal / Glas; u.v.m., gibt es das Witthüs von Anka Weber in Keitum.