Sonngard Marcks – Keramische Bildwelten

S.Marcks Teller Fliege.PersischerStoff D32,5

Sonngard Marcks, Teller „Fliege“ , Fayencemalerei auf Keramik;

Eine herausragende Keramikerin unserer Zeit hat in Kooperation mit der Neuen Sammlung München (Pinakothek der Moderne)  in Bielefeld eine Einzelausstellung bekommen.
Wenn Sie in der Nähe sind: hier meine Empfehlung zu einem Besuch !!

Kenner des CRAFTkontor lieben sie aus zwei vergangenen Ausstellungen „Stillleben“ und „Botanica“.
Diese Ausstellungstitel geben schon Hinweise auf den Schwerpunkt ihres Schaffens, der feinfühligen Malerei von Fauna und Flora in zauberhaften Kompositionen und das, wenn man mag, sogar auf nutzbaren Formen !Sonngard Marcks, Schale "Birnen", Detail der Fayencemalerei auf KeramikSonngard Marcks, Schale „Birnen“, Detail der Fayencemalerei auf Keramik

„In der zeitgenössischen Keramik ist Sonngard Marcks eine feste Größe. Die Ausstellung beleuchtet ihr Schaffen der letzten 20 Jahre. Spannend zu beobachten ist die permanente künstlerische Weiterentwicklung. Stillstand gibt es bei ihr nicht, stets ist die Künstlerin auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen.

Beginnend in den 1990er Jahren dominiert bei Sonngard Marcks die ungesinterte, rote Irdenware mit dunklem Scherben und einer eher transparenten Engobe- und Glasurmalerei. Inhaltlich ist die Malerei von abstrakt-geometrischen Elementen geprägt. Auch die Objekte selbst – Kannen, Teller, Schalen, Vasen, Objekte  –  sind deutlich der geometrischen Formgebung verpflichtet. Allgemein ist diese Phase von einem freien, spielerischen Umgang mit jeglicher Form bestimmt, wird der Geste des Zufalls Spielraum gewährt.

Nach dem Jahr 2000 verschiebt sich der Schwerpunkt ihrer Arbeit in Richtung Fayencetechnik, Bedeutung erlangt der zinnglasierte, weiße Malgrund, wichtig wird nun auch die Präzision im malerischen Detail. Eine weitere Veränderung betrifft das Thema der Glasurmalerei, die Künstlerin arbeitet nun gegenständlich, sie widmet sich zusehends Motiven aus Fauna und Flora. Zunächst noch grafisch abstrahiert, geraten die dargestellten Wesen immer naturalistischer, schließlich bekommen sie sogar in Beigabe einer Schattenzeichnung die dritte Dimension zugestanden. Auch dürfen Früchte plastisch bzw. objekthaft auftreten. Was so in Erinnerung barocker Schaugerichte beginnt, mündet schließlich in Collagen und Installationen.

Sonngard Marcks studierte an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein (heute Kunsthochschule Halle a. d. S.). Sie erhielt zahlreiche Preise: Keramikpreis Neuburg/Donau (Sonderpreis der Jury 1992), Keramikpreis der Stadt Bürgel (1997), INAX Design Prize for Europeans (Tokio/Tokoname, Japan, 1998), Oldenburger Keramikpreis (2003 und 2004), Dießener Keramikpreis (2008) und Bayerischer Staatspreis (2008). “

Museum Huelsmann – Weiße Villa
Ravensberger Park 3
D-33607 BielefeldÖffnungszeiten
dienstags bis samstags 14 – 18 Uhr
sonntags 11 – 18 Uhr

Öffentliche Führungen: Mi, 10.05.17 + 14.6.17 + Sa, 01.07.17, jeweils 15 Uhr
Kulturcafé: Mi, 17.05.17 + 21.06.17, jeweils 15.30 Uhr (Anmeldung Tel. 0521 – 51 37 66)
Finissage: So, 13.8.17, 17 Uhr

Katalog: Sonngard Marcks – Keramische Bilderwelten
Herausgeber: Angelika Nollert, Die Neue Sammlung, München
Text: Josef Straßer, Vorwort: Angelika Nollert
München: Die Neue Sammlung, 2016
ISBN 978-3-9813755-9-615

Inspiration Botanik !

Der Sommer verabschiedet sich  – geht langsam zur Neige.
Die Vegetation zeigt noch einmal große Fülle und kräftige Farben…

Da kommt das Thema der neuen Ausstellung im CRAFTkontor nicht von ungefähr: „BOTANICA“

Pflanzen und Früchte als Inspiration für gut gestaltete Dinge.

Wir zeigen wundervolle Fayence-Keramik, deren Malerin Sonngard Marcks aufgrund ihrer aufwändigen Studienzeichnungen die Form mit unendlich vielfältigen Naturelementen füllt. Blätter, Blüten, Früchte in den unterschiedlichsten Vegetationsphasen zusammen mit kleinen Krabbeltierchen, Fliegen oder Bienen.

S.Marcks Teller Fliege.PersischerStoff D32,5
Sonngard Marcks, Teller „Persischer Stoff“, Fayence-Keramik.
(Copyright/Foto: S. Marcks)

Anklänge an die Illustrationen von Sybilla Merian könnte man meinen, aber der Stil von Sonngard Marcks ist sehr besonders und eigenwillig.
Der Zuspruch der Jurys großer Preise für Keramik und Kunsthandwerk spricht für sich – ebenso die vielfältigen Ankäufe durch renommierte Museen…

Wir ergänzen diesen Augenschmaus der illustrativen Fülle durch die gekonnten Farbstiftzeichungen einer der wenigen noch auf dem Gebiet der botanischen Malerei arbeitenden Deutschen: Verena Redmann.
„Verena Redmann liebt kleine Objekte.
Sie habe keinen Blick fürs große, sagt sie, immer seien es die kleinen Dinge, die ihre Aufmerksamkeit erregen.
Deshalb muss sie oft die Lupe benutzen, um die winzigen Details ihrer Modelle zu erkennen …
Es ist eine Sisyphus-Aufgabe, die nicht ganz glatte Oberfläche z.B. einer Knolle authenisch auf Papier zu bringen.
Selbst ein kleines Radieschen zu zeichnen dauert etwa zwei Tage.

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Verena Redmann, Radieschen, Farbstiftzeichung auf Bütten;
(Copyright: V. Redmann)

„Jede Frucht hat Poren und eine ganz eigene Oberfläche.
Sie kann glatt, auch spiegelglatt, rauh, weich oder hart sein, wie Pergamentpapier, samtig, behaart oder stachelig.
Dadurch entstehen auf der winzigsten Oberfläche Licht und Schatten, hellere und dunklere Partien sowie die unterschiedlichsten Farbschattierungen.
Das will ich mit den Farbstiften einfangen.““
(Zitat aus: Renate Hücking, Blumenmalerinnen – Porträits besonderer Frauen und ihr Blick auf die Natur, Callway-Verlag)

Für unsere Ausstellung hat Verena Redmann eine neue Serie kleiner Farbstiftzeichungen zum Thema der Rosengewächse und Hagebutten gearbeitet.

Besonders geht es in der Herbstausstellung weiter…
Mit Zuckerzeug – Naschwerk werden die Arbeiten der Glasgestalterin Freia Schulze verglichen.
Mit einer selbstentwickelten, ausschließlich von ihr selbst ausgeführten Technik, die nur noch wenig mit traditionellem Glasschliff zu tun hat, veredelt Freia Schulze Glasoberflächen voller Einfälle zu Poesie auf kleinstem Raum.

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Freia Schulze, Vase, Emailleüberfang, Kollage, Sandstrahltechnik auf Glas.
(Copyright: F. Schulze)

Kleine Wunderwerke sind ihre Arbeiten, die Design und gekonntes Handwerk in sich vereinen.
Rankwerk windet sich um Gläser, Streublümchen rieseln über Vasenwände und auf ihren Paperweights findet sich ein ganzer kleiner Dschungel wieder….
unendlich kleinteilig, unendlich fleißig….virtuos in der Technik von gebrantem Emaille-Überfang, Kollage und Sandstrahtechnik.
Auch ihre Arbeiten sind in vielen öffentlichen Sammlungen vertreten und begehrt.

Natürlich ist auch Schmuck in der Herbstausstellung vertreten…
Nina Helms zeigt ihren massiven Silberschmuck, der sich thematisch ebenfalls um Gewächse dreht:
Algen, Knospen und Blüten bilden einen Reigen für Hals , Hand und Handgelenkt.

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Nina Helms, Kollier „Blütenreigen“, Silber . (Copyright: N. Helms)

Ab Freitag, 12. September können Sie die Arbeiten zum neuen Ausstellungsthema „BOTANICA“
im CRAFTkontor, ihrer Galerie für Kunsthandwerk in Bonn-Bad Godesberg bewundern und erstehen.

Herzlich willkommen!

Stillleben

Die dritte Jahresausstellung 2010 heißt “ Stillleben“. Inspiriert hierzu haben mich die herausragenden Fayencen der Keramikkünstlerin Sonngard Marcks aus Wolfenbüttel. Ihre akribisch naturorientierte Fayencemalerei blickt auf historische Vorbilder zurück, hat aber nicht den Ernst botanischer Malerei, sondern verweist mit Ranken, Fruchtformen und Krabbeltierchen locker zwinkernd ins 21. Jahrhundert.
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Sonngard Marcks ist eine fantastische Zeichnerin und wer die Gelegenheit  hatte, ihre Entwürfe für die Objekte zu sehen, ist allein darauf schon begierig…Für die Ausstellung war sie so großzügig, 4 graphische Arbeiten auf Papier zusätzlich mitzuschicken.

Um ihre Arbeiten werden sich in der Ausstellung Werke weiterer Gestalter gruppieren, die sich der Unerschöpflichkeit der Natur gewidmet haben oder sich ihr als Inspiration bedienen, um Erstaunliches zu kreieren. Meine Art der Präsentation dieser Objekte in dekorativen Tableaus nimmt auf Stillleben Bezug.

Das Stillleben bezeichnet in der Geschichte der europäischen Kunsttradition die als Arrangement eigenständige Darstellung von in der Regel kleineren Gegenständen, deren Auswahl und Gruppierung nach inhaltlichen und ästhetischen sowie symbolischen Aspekten erfolgte.
Im Barock erreichte die Gattung mit symbolisch im Bild verschlüsselten Botschaften und perfekter Nachahmung der Natur ihren Höhepunkt.
Das damals genutze „Vokabular“ der bedeutungsvollen Dinge – jede Blume, jeder Käfer, ob das Glas voll oder umgestürzt war, hatte Hintersinn – ist uns heute nur noch unter Fachleuten und Sammlern geläufig…uns faszinieren die ungeheure technische Raffinesse der Darstellungen und ihr dekorativer Wert.

Wie schön ist eine ausgewogen gestaltete Gruppe von Gefäßen, dekoriert mit ein paar Früchten….
Freuen Sie sich auf mehr bei Ihrem nächsten Besuch im CRAFTkontor…

Nordische Impressionen…

Meine diesjährige Atelier- und Einkaufstour für das CRAFTkontor begann mal wieder in der Werkstatt des Kunstschmiedes Ruprecht Holsten, der mich mit Neuigkeiten versorgte. Die Hitze des Sommers in Kombination mit der Hitze des Schmiedefeuers hat selbst den feurige Temperaturen Gewohnten aus der Bahn geworfen und er mußte ein wenig pausieren – trotzdem habe ich ein paar schöne Schalen mitnehmen können.
Ruprecht Holsten Showroom

Dann stand am Wochende der Internationale Keramikmarkt in Oldenburg an: immer ein schöner Termin um kompakt viele Bekanntschaften zu erneuern und auch die ein oder andere Entdeckung zu machen.  Diesmal beeindruckte mich Sangwoo Kim mit seinen ebenmäßigen, streichelfeinen großen Eiformen – ursprünglich faszinierend, im Erdfeuer gebrannt und dadurch mit wunderbaren Rauchbrandglasuren…da kommen Assoziationen zu Dinosauriereiern auf..Int.KeramikmarktOldenburg

 

 

 

 

 

Letzte Detailabsprachen traf ich mit Sonngard Marcks für die kommende „Stillleben“-Ausstellung. Ihre Fayence werden das CRAFTkontor in den Herbst führen.

Weiter ging es sehr weit gen Norden: zum Glasmuseum im dänischen Ebeltoft – einem Zentrum dänischen Glases. Die aktuelle Sommerausstellung „Flora“ beschäftigt sich mit floralen und experimentell vegetabilen Formfindungen in Glas. Geblasen in äußerster technischer Rafinesse, aus Floatglas oder Scheibenglas – von der naturalistischen Kohlblatt-Installationen leider bis zum Kitsch. (www.glasmuseet.dk)
Das hübsche alte Städtchen Ebeltoft ist auch für viele weitere Kunsthandwerker Lebensmittelpunkt – uns jedoch drängte die Fährverbindung auf die Insel und nach Kopenhagen.

Hier steht jedes Jahr im August der „Kunsthandverkeremarkedet“ von 150 dänischen Kunsthandwerkern unter königlicher Schirmherrschaft auf dem Programm.  Auf dem wunderschönen Frauenplatz gilt es wiederum alte Kontakte zu erneuern und Entdeckungen zu machen.Immer wieder beindruckt die hohe Qualität und überwiegende Schlichtheit der Dänen. Natürlich ist auch hier der Trend zu skuril erzählenden Objekten angekommen und es mischt sich auch leicht Verkäufliches unter. Trotzdem konnte ich, leicht beeinträchtigt von Wolkenbrüchen, Birgit Daa Birkkjaer entdecken: inspiriert von der Webkunst früher Völker webt Sie kleine gemusterte Deckeldosen und Korbfamilien aus sehr feinem Loomgeflecht und integriert Naturelemente wie Dornen und Knöchelchen. Es entstehen kleine Wunderwerke in Naturfarben, wunderschöne Behältnisse unserer geheimen Sammelleidenschaften. Und das Schönste: Sie konnte mir zur nächsten Ausstellung eine ganze Reihe davon zusagen.
Freuen Sie sich darauf.BirgitDaaBirkkjaer2

Der Rückweg nach Süden führte uns noch in die Lüneburger Heide, ins Glasatelier von Frank Meurer, den Sie mit  vielen seiner Objekte schon aus dem CRAFTkontor kennen. Hier galt es Neuheiten einzupacken und für den Winter zu bestellen, ehe es weiter Richtung Zuhause ging.
Die Sommertour, immer wieder belebend und Erkenntnisreich.