Spielerisch leicht…

Wenn man nicht gerade Grippe geschwächt im Haus bleiben muss, kann man in diesen Tagen schon einen Hauch von Frühling verspüren:
Die Kraniche ziehen, Morgens hört man schon die Vögel singen und auch die Temperaturen sind milder….

Die beste Zeit für eine Ausstellung zur Leichtigkeit ! und was paßt da besser als Mobiles. Feine leichte Objekte, die Räume verschönern, Ruhe schenken und Blicke fockussieren.Annette Rawe, Mobile ROT, lasierte Papiere, Edelstahl (Foto+Copyright Rawe)Annette Rawe, Mobile ROT, lasierte Papiere, Edelstahl (Foto+Copyright Rawe)

Lange Zeit waren Mobiles kein Thema für die Gestalter mehr – Alexander Calders Objekte wurde nur im Museum bewundert – aber für die eigenen 4 Wände waren die Luftobjekte nicht mehr vorstellbar…

Nicht zuletzt die Aufmerksamkeit, die die „midcentury“-Möbel aus Scandinavien im Moment erhalten und die Tendenz zu leichteren Modellen im Möbeldesign, ermöglicht dem Mobile ein comeback.

Wir haben die wunderbaren Luftobjekte von Annette Rawe zu Gast im CRAFTkontor.Annette Rawe, Mobile "Mori", lasierte Pappen, Edelstahl; (Foto+Copyright: Rawe)Annette Rawe, Mobile „Mori“, lasierte Pappen, Edelstahl;
(Foto+Copyright: Rawe)

Annette Rawe, geb. 1964 in Gütersloh, lebt im Münsterland.
Nach einer Ausbildung zur Holzbildhauerin und Gestalterin im Handwerk, setzte sie auch noch eine Dipl. Designerin obendrauf.
Seit 1998 ist sie nun freischaffend tätig und ihre Leidenschaft sind die Mobiles !

„Über die Gestaltung von großen Wandobjekten und abstrakten Reliefs aus Papier, Holz und Draht ist Annette Rawe zu ihrem Thema Mobilés gekommen und seit mehr als 20 Jahren dabei geblieben.
Die freien Gestaltungsmöglichkeiten im Einklang mit den technischen Herausforderungen, sowie die unzähligen Einsatzmöglichkeiten von Mobiles und deren Seltenheit im Designbereich inspirieren sie immer aufs Neue.

Die gestalteten Bögen und Linien, die Proportion der zueinander geordneten Flächen sowie deren Form ergeben die Komposition, die ausgewogen und harmonisch oder auch spannungsvoll wirken kann.
Durch das Drehen und die Überlagerung der Elemente ergeben sich immer wieder neue Farb- und Formspiele. Balance, Gleichgewicht, Ruhe, Harmonie, Ausgewogenheit, Zusammenhalt und Zusammenspiel werden mit dem Thema Mobile verknüpft.“ (Textzitat Rawe)Annette Rawe, Mobile, Japanpapier, Blattgold, Edelstahl; (Foto+ Copyright: Rawe)Annette Rawe, Mobile, Japanpapier, Blattgold, Edelstahl;
(Foto+ Copyright: Rawe)

Die im CRAFTkontor gezeigten Mobiles bestehen aus Japan- und Spezialpapieren in Verbindung mit Edelstahldraht. Die Flächen sind lackiert, lasiert, bemalt oder blattvergoldet.
Die größeren Mobiles haben Formate von ca. 120X180, 120X200 oder 140X180, die kleineren z.B. 80X60, 70X50 oder 50X50.Annette Rawe, Mobile im öffentlichen Raum - Weserburg Bremen, Acryl, Stahl; (Foto und Copyright: Rawe)Annette Rawe, Mobile im öffentlichen Raum – Weserburg Bremen, Acryl, Stahl; (Foto und Copyright: Rawe)

Sie stellt die Mobiles in ihrem Atelier als Unikate oder in Kleinserien her.
Es sind still schwebende Akzente für Wohn- und Arbeitsräume,
farbenfrohe Hingucker für Kinderzimmer oder großformatige Raum-Objekte für Galerien und Lufträume.
Wunschformate und Anfertigungen spezieller Farbspiele sind jederzeit möglich.

Herzlich willkommen im CRAFTkontor.
ACHTUNG: von Weiberfastnacht, 23.2. bis zum 6.3. haben wir Galeriepause !

 

PAPIERschmuck….

Papierschmuck in einfacher Weise ist uns sicher schon auf diversen Märkten begegnet: mit Papieren, z.B. Comics, beklebte Perlen oder aus Papierstreifen gewickelte Perlen…
Aber auch die Avantgarde der Schmuckkünstler beschäftigt sich mit diesem nachhaltigen Material.

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Susanne Holzinger, Armreif, Papier, geschichtet, geschnitzt;
(Copyright+Foto: Holzinger)

Susanne Holzinger ist schon lang von Papier fasziniert.
Da für sie Schmuck skulpturelle Kunst in den Grenzen von Tragbarkeit, Volumen und Stabilität ist, stellte sie natürlich auch dem Papier die Frage der Schmuckmöglichkeit.
„Durch das geschichtete Verleimen von Einzelpapieren habe ich ein holzähnliches Material geschaffen, das diese Kriterien erfüllt.

Meine Absicht war es, Schmuck zu machen, der nicht nur optisch interessant ist, sondern das Verlangen weckt, ihn zu spüren und zu be-greifen.
Mit den Augen läßt sich ein ästhetischer Genuss nur suggerieren, den wir durch Ertasten der Wölbungen, Kanten und Flächen empfinden.

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Susanne Holzinger, Armreife, Papier, geschichte, geschnitzt;
(Copyright+Foto: Holzinger)

Die Oberfläche der Armreife ist warm, trocken und weich und die holzähnliche handschmeichelnde Form lädt dazu ein, den Schmuck auch haptisch wahrzunehmen.
Eine Inspiration von der Natur und abstraktem Formenspiel…

Durch das Schnitzen des (vorbereiteten) Papierblocks beeinflusse ich die Linienführung der farbigen Maserung um die organische From.
Mit jedem Schnitt führe ich die Linien in eine andere Richtung, so dass man von ‚Zeichnen mit dem Messer‘ sprechen könnte.

Der Designprozess basiert auf meinem ästhetischen Empfinden der Fläche durch das immerwährende Abtasten der Form während des Schnitzens.
Somit ist jedes Stück in Form und Farbensprache einzigartig und kann nicht dupliziert werden.“ (Zittat S. Holzinger)

Die entstehenden Armreife sind haptische Handschmeichler durch ihre Form und auch das angemessene Gewicht der Papiermasse.

Der Arbeitsprozess des Schnitzens wiederum brachte ein augenschmeichlerisches „Abfallprodukt“, den farbigen Papierstaub hervor,
der bei jedem anderen Gestalter sicherlich im Papierkorb gelandet wäre –
nicht so bei Susanne Holzinger:

„Beim Aufkehren fand ich den schönen Papierstaub zu schade um ihn wegzuwerfen und habe ihn farbsortiert aufbewahrt, gesiebt und zu Anhängern, Ansteckern und Ohrschmuck mit dem Titel „Papierstaub“ verarbeitet.

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Susanne Holzinger, Schmuckobjekte, Papierstaub, in Form kaschiert; (Copyright+Foto: Holzinger)

Der Staub wird in vielen Schichten kaschiert und in Form stabilisiert.
So entstehen leicht filigrane, aber stabile und tragbare SchmuckObjekte subtiler Farbigkeit.“ (Zitat: S. Holzinger)

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Susanne Holzinger, Anstecker, Papierstaub, in Form kaschiert; (Copyright+Foto: Holzinger)

Hier wird das Recycling eines Abfallproduktes zum Upcycling, wird Wegwerfmaterial zu nachhaltig gedachtem Avantgardeschmuck.

Ein Arbeitsansatz der Susanne Holzinger den Bayrischen Staatspreis und Stipendien der Danner-Stiftung eingebracht hat und ihre Arbeiten in viele Schmucksammlungen der Welt geführt haben…

Zur Zeit in der Papierausstellung im CRAFTkontor vertreten!

Paperart I….

Die seit Anfang September im CRAFTkontor laufende Ausstellung „Paper and more“ vereint unterschiedlichste Positionen von Papierkunst und Papier als Material im kunsthandwerklichen Ansatz.
Neu geschöpftes Papier als Ausgangsmaterial, aber auch vorgefundene „Altpapiere“ liefern den Stoff, der innovative, kreative Ideen umsetzt.

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Barbara Hattrup, Objekt „Brick“, Papier, Acryl.
(Copyright: B. Hattrup, Foto: Craftkontor)

Als eine Protagonistin möchte ich Ihnen die Papier- und Textilgestalterin Barbara Hattrup aus Ostwestfalen vorstellen.
Vielfältige Ansätze mutet sie sich und den genutzten Materialien zu: Sie arbeitet mit Tüten, Gummi, Zeitschriftenpapier oder handgeschöpften Papierrohmassen – Vieles wird erprobt und Einiges in faszinierenden Serien zur Reife gebracht…

Sie nennt es selbst im Zeitraffer:“Traditionelles neu entdecken, erlernen, verstehen, vertiefen … und anwenden…
Durch Inspiration: Aktuelles analysieren, begreifen … und nutzen…
Synektik als Prinzip: Neues experimentell, sinnvoll … und kunstvoll zu gestalten“ (Zitat B. Hattrup)

Ihre „Bricks“ spielen mit der seriellen Reihung eines vorgefundenen Materials, den Seiten von Magazinen oder Kunstkatalogen – guten farbigen Druckerzeugnissen auf gutem Kunstdruckpapier…
Durch die Falzung eines kleine Rechtecks einer ausgesuchten Seite entsteht ein mehrfarbiger „Strich“, den sie gereiht/gestapelt als malerischen Träger für die Erzeugung eines Landschaftseindrucks nutzt:
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Barbara Hattrup, Ausschnitt Objekt „Brick“, Papier, Acryl.
(Copyright: B. Hattrup, Foto Craftkontor )

Strand – Sonnenuntergang – Licht über einer Rapswiese – Stadtlandschaft – die Eindrücke, die ihre Einzelbricks oder die Kombination mehrerer Bricks zum  größeren Wandobjekt, erzeugnen, sind beim Betrachter vielfältig und frei assoziierbar – die Gestalterin legt uns durch Titelgebungen nicht fest – unsere Auge/Gehirnkombination ruft Eindrücke hervor…

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Barbara Hattrup, Wandobjekt „Sommerpause“, Papier, Acryl.
(Copyright: B. Hattrup, Foto Craftkontor )

Fast scheint es wie ein Gestaltungsansatz aus der Textilkunst:  Barbara Hattrup scheint mit Papierstreifen zu weben…
Aber sie braucht hier kein Kettgewebe um den Längsstreifen aufzubauen – eher die Fixierung durch das Verleimen als Buchblock um das Objekt in der Reihung irreversiebel zu bekommen.

„Altpapier“ als „Malmaterial“ freier Natur- oder Landschaftseindrücke:
UPCYCLING eines Wegwerfmaterials zu einem Träger neuer Gestaltung.
Paperart….

Demnächst mehr….

PAPER and more….

Papier ist kostbar, lebenswichtig und es umgibt uns tagtäglich, fast überall…
Von der Zeitung über das Taschentuch, vom Geschenkpapier über die Werbesendung zum Buch.
Es leistet uns niedere Dienste als Hygienepapier und wird weggeworfen und dokumentiert ebenso die Höhepunkte unseres Lebens in Urkunden und Festeinladungen….

Das CRAFTkontor, Galerie für Kunsthandwerk in der Bürgerstraße Bad Godesbergs widmet diesem einerseits normalen, andererseits kapriziösen Material die Herbstausstellung.

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John Gerard, Papier-Falt-Objekt;

Papier im Kunsthandwerk hat lange gute Tradition…
Das japanische Origami z.B., die Faltkunst ist nachweisbar um das Jahr 900.
Die freie Kunst entdeckte das Papier als Ausdrucksmittel erst im frühen 20Jh.
War es zuvor oft nur Bildträger, wird es nun selbst Objekt künstlerischen Ausdrucks.

Die eigentliche Papierkunst beginnt in der 60er Jahren, zum einen mit vorgefundenen, industriell gefertigten Papieren, zum anderen mit eigens handgeschöpften Papieren aus Papierpulpe.
Papierkünstler biegen, drechseln, knicken, knüllen, falten, knittern, drücken, pressen, stauchen, strecken, ritzen, durchstoßen, reißen, schlitzen, schneiden, kleben, klopfen, schlagen, bohren, sägen und sengen ihr fantastisches Naturmaterial, wenn sie es nicht sogar selbst aus Faserpulpe herstellen !

Einen weltweit agierenden und bekannten Vertreter der Papiermacherkunst und Papierkunst haben wir hier in der Region.
Nach dem Mottto: denn das Gute liegt so nah, brauchte nur zu seiner Papiermühle in Rheinbach, um für die Eröffnung am Freitag, 11. September 2015 genau die richtige Person zu finden: John Gerard.

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John Gerard beim Papierschöpfen; Foto: Makkiko Hamada;

Seine Papiermühle ist ein „hidden gem“ und viele wissen nicht, dass wir hier bei uns in der Nähe ein international bekanntes kleines Papierzentrum haben und einen Meister seines Fachs als „Spiritus rektor“

John Gerard wurde 1955 In Michigan, in den USA, geboren.
Er studierte Kunst in Kalamazoo und Bonn.
1984 zog er nach Berlin und eröffnete seine experimentelle Werkstatt für handgeschöpfte Papiere.
Seit 1992 lebt und arbeitet er nicht weit von hier in Rheinbach und etablierte dort seine überregional bekannte Papiermühle für geschöpfte Papier und Künstlerbücher.
Mit vielen zeitgenössischen Buchgestaltern pflegt er kongeniale Zusammenarbeiten und viele schöne Texte regten ihn zu tollen Gestaltungen an…
Regelmäßig ist er mit seinen Arbeiten auf der Frankfurter Buchmesse vertreten.
Einige seiner Künstlerbücher und Textgestaltungen sind in der Ausstellung zu sehen.

Viele internationale Ausstellungen und Auszeichungen sind Resultat seiner Arbeit – viele findet sich in bedeutenden Sammlungen wieder.
Zu nennen sind z.B. das Germanische National Museum, die Herzog-August-Bibliothek-Wolfenbüttel, die Bibliotheque nationale de France, Paris und die Library of Congress, Washington…

Neben Ausschnitten seiner Arbeit zeigt das CRAFTkontor 8 weitere Facetten von Papier im Kunsthandwerk:

Silke Janssen und ihre gewebten Arbeiten aus selbst gesponnenen Shifu-Papieren und Garnen;
die beliebten gegenständliche Papierskulpturen von Heike Roesner und Dorothea Siegert-Binder;
Schmuck aus Papier und Papierstaub von Susanne Holzinger;
Es gibt endlich Nachschub der Schachtelmacherin Adelheid Siegeroth in klassischer Buchbindearbeit,
und exklusive Papier-Objekte aus Pulpe und Peddigrohr von Ingrid Golz sowie Objektkästen von Barbara Hattrup.

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Ingrid Golz, Objekte aus Papierpulpe und Peddigrohr; Foto + Copyright: Golz.

Herzliche Einladung !

Ausstellungseröffnung: Freitag, 11. September 2015, 19.00 Uhr
CRAFTkontor, Koblenzerstr. 35 , EINGANG BÜRGERSTRAßE
Bonn, Bad Godesberg

Ausstellungsdauer: 12. 09. bis 15.11. 2015
Öffnungszeiten: Di – Fr. 11 bis 18.30 Uhr
Sa 10 bis 15.00 Uhr
Montag geschlossen.